Ich bin in meiner Kindheit lange nicht ins Kino gegangen. Es gab schlicht in meinem Heimatort keines. Ich glaube, mein erster Film im Kino war “Spaceballs”. Mit der Klasse. Was bin ich einigen Mitschülerinnen bis heute dankbar, dass sie sich damals nicht für “Dirty Dancing” entschieden haben. Ich wäre zweifelsohne schwer traumatisiert von dieser Fahrt zurückgekehrt.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Ich bin eine Zeit lang, als ich in Hamburg lebte, gerne und viel ins Kino gegangen. Teilweise fast wöchentlich. Fand Menschen, die genauso viel und genauso gerne ins Kino gingen. Ich nutzte in der Heimat meine kleinste Schwester als Weg, um nicht allein als erwachsener Mann in Harry Potter zu sitzen. Oder der aktuellen Disney-Prinzessin zu huldigen.1

Ich gehe heute selten ins Kino. Die Karten fürs Kino sind mittlerweile nachgerade unverschämt teuer. Nur ein unverschämt guter Film scheint dies zu rechtfertigen.

Ich begann mehr Filme zu Hause zu gucken. Der Fernseher wurde immer dünner, dafür immer größer. Aus dem großen Saal wurde mein Wohnzimmer. Von irgendwo spiegelte immer etwas im Bildschirm. Dafür war das klingelnde Telefon immer die eigene Schuld. Aus der sehr mutig bepreisten Tüte wurde die Schüssel Popcorn, frisch aus der Mikrowelle. Anfangs noch DVD, BluRay übersprang ich, später direkt als Datenstrom.

Sich eine DVD ausleihen. Schwere Entscheidung. Was, wenn der Film nicht hielt, was er versprach? Auf Nummer Sicher gehen? Doch wieder einen der vorhandenen Filme schauen? Die Leihe war ein Commitment für den Abend.

Die DVD war auch ein Fenster in die eigene Seele, wenn man nicht alleine guckte. Es gab die brennenden Fragen vor dem ersten Filmabend. Was sagt der Film über mich? Und was, wenn der Film nicht gefällt? In der Hoffnung, dass der Film ganz und gar nebensächlich werden würde.

Heute? Völlige Überforderung. Filme für ein ganzes Leben auf Knopfdruck. Nur welchen gucken? Und wenn der Film nicht sofort zu fesseln vermochte … nächster Film. Streamingdienste wirken irgendwie wie cineastisches Tinder. Mag sein, dass der Film toll ist, er war es aber nicht in den ersten 10 Minuten. Weggewischt. Vergessen.

Irgendwann ist man dann beim Notebook gelandet. Auf dem Bett liegend. Das Notebook. Und man selbst. Was macht man? Noch nen Film gucken? Was gibt es denn so bei den üblichen Verdächtigen? Ein filmisches Erlebnis auf 16 Zoll. Wenn überhaupt. Ein Saal voller Schall ersetzt durch zwei kleine Lautsprecher neben der Tastatur. Bemüht, der Aufgabe gerecht zu werden. Vergeblich.

Und irgendwie habe ich dabei das Gefühl, selbst den Filmen nicht mehr gerecht zu werden. Die Filme fühlen sich kleiner und nebensächlicher an, als sie es verdient hätten.


  1. Leia ist keine Disney-Prinzessin. Sie wird es nie sein. 

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts