Es war ja eine der Dichotomien in meiner Jugend. Grönemeyer oder Müller-Westernhagen. Kannte niemanden, der beides mochte. Oder niemanden, der es zugab. Ich hätte irgendwann beim Hören eines Grönemeyer-Lieds am liebsten auch zum ölgetränkten Lappen gegriffen.
Nicht, dass ich Westernhagen-Fan gewesen wäre. Mein Mitleid hätte sich in sehr engen Grenzen gehalten, wären in Theos LKW auch Westernhagens Liedtexte der nächsten 30 bis 40 Jahre gewesen. Ein Tag ohne “Freiheit” wäre ein echter Tag der Freiheit gewesen.
Okay, es gab auch noch die BAP-Hörer. Aber das fand ich in Norddeutschland schon etwas seltsam. Auf jeden Fall war es verdammt oft nicht lang genug her, seit zuletzt ein Lied von ihnen gespielt worden war.
Es gab von Grönemeyer genau eine Zeile, mit der ich mich so richtig identifizieren konnte. Und da war meine Jugend auch schon lange vorbei. Sie war noch nicht mal in einem Lied von ihm: “Es könnte alles so einfach sein, isses aber nicht”. Hier sang Grönemeyer im Refrain für die Fantastischen Vier. Diese haben es, wie ich zu meiner Erschütterung feststellen musste, von einem großartigen “4:99” mittlerweile bis in eine Reisebüro-Werbung geschafft.
“Es könnte alles so einfach sein, isses aber nicht”. Ein großes wahres Wort in einem einfachen Lied. Das Prinzip der Welt in Hip-Hop. Dafür muss man Grönemeyer schon fast wieder mögen. Auch wenn es nicht von ihm ist.
P.S.
Warum ich darauf komme? Naja, einer meiner neuen Mitbewohner hat angefangen, Eier zu legen. Irix ist also eine sie. Ich habe noch nicht herausgefunden, wer der Vater ist. Die Kanarienvögelschar anscheinend auch nicht. Nun ist Streit im Käfig. Mindestens einmal pro Tag muss ich momentan schlichtend die Zwischenwand in den Käfig einziehen. Und im Hinterkopf singt Grönemeyer leise: “Es könnte alles so einfach sein, isses aber nicht.”