Gestern war irgendwie ein blöder Tag. Und das schmeichelt dem Tag doch sehr. Ich schrieb in meinem letzten Artikel ja, dass mein Knie gehalten hat. Nein, hat es nicht, es kam nur später. Ich bin gestern mit stärkeren Kniebeschwerden aufgewacht.

Ich muss meiner Schaltung da im Grunde eigentlich dankbar sein, sonst hätte ich nicht gestern die etwas längere Testfahrt gemacht mit absichtlich stärkerer Belastung des Knies. Dann hätte ich das erst im Hotel nach der ersten oder zweiten Etappe gemerkt und hätte da abbrechen müssen.

Ich hätte schon vor einem Monat nach den MRT-Bildern sagen sollen “Ich verschieb das”, aber wenn man so viel Zeit und auch Geld in eine Idee gesteckt hat, fällt es einem sehr schwer, da vernünftig zu sein. Aber da hat die Ärztin gesagt, mit ein wenig Schonung und Voltaren könnte das doch noch klappen, wäre nicht so schlimm.

Mein erster Drang gestern war dann: Fahre ich halt kürzer. Nur bei den Freunden lang, die du besuchen willst, und fährst in Lüneburg los, statt woanders, und lässt die Verlängerung am Ende weg. Und nutzt den E-Motor durchgängig, um Last vom Knie zu nehmen. Deswegen hatte ich mir kurzfristig noch einen zweiten Range Extender besorgt. Noch mal die Spritze ins Knie?

Aber irgendwann kam der Gedanke “Jörg, was zum Henker machst du da? Das ist nicht das, was du geplant hast, das ist nicht das, auf das du dich gefreut hast.” Und als ich die große Tube Voltaren Forte zusätzlich noch eingepackt habe, kam der nächste Gedanke nach Art “Was machst du hier eigentlich”. Ich habe manchmal die Neigung, Dinge, die ich unbedingt möchte und auf die ich mich gefreut habe, unbedingt zu wollen und das dann gegen alle Vernunft durchzuziehen. Und das wäre wieder so eine Aktion geworden. Aber vielleicht bin ich in meinem fünfzigsten Lebensjahr etwas vernünftiger geworden.

Gerade an solchen Tagen hat meine beste Freundin Andrea meistens eine gute Außenperspektive, wenn ich zu sehr mittendrin bin. Es hilft, wenn man sich sein halbes Leben kennt und sich durch allerlei Mist geholfen hat und man immer nur einen Telefonanruf entfernt ist.

Ich habe Andrea vor einigen Jahren mal gesagt “Ärgere dich nicht, die Salzstraße wird auch noch in 10 Jahren da sein. Es ist nur verschoben. Es ist nicht die richtige Zeit.” als sie ihre geplante Wanderung an eben jener Straße wegen einer Erkrankung nicht starten konnte.

Ich konnte mich da schon gar nicht dran erinnern, das mal gesagt zu haben. Aber Andrea hat mich daran erinnert. Gestern. Und hat den gleichen Satz verwendet. Deine Tour wird auch noch in 3 Monaten da sein. Meine Freunde werden auch noch in drei Monaten da sein. Wobei ich letztes Jahr gelernt habe, dass das manchmal nicht der Fall ist. In diesem Fall ist allerdings die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, also habe ich mich entschlossen, meinem Knie noch anderthalb Monate zu geben und dann nicht nach einer einmonatigen Knieschonungspause herauszufahren, sondern aus dem vollen Training.

Also, meine Radreise ist verschoben auf Ende August. Ich hoffe, dass dann das Wetter auch besser sein wird. Auch hinsichtlich dessen wurde es immer schlimmer. Ich schrieb ja, dass ich mir einen Bezahlaccount bei jenem großen Wetterinformationsanbieter eingerichtet habe, dessen Chef vor Jahren recht umfänglich in der Presse war. Keines der Wettermodelle sah wirklich gut aus, die Langfristvorhersagen versprachen nicht mal ansatzweise einen guten Trend. Und als ich gestern vom Doc zurück nach Hause fuhr, bin ich durch den Regen gefahren und habe den Leuten im Gesicht angesehen, dass ihnen das alles so gar keine Freude machte. Auch das hat mir das Verschieben, das Vernünftigsein, erleichtert.

Ich habe dann gestern meine Freunde informiert, dass ich das alles verschiebe, und zumindest jene im Süden sagten, dass es vermutlich ob des Dauerregens die richtige Entscheidung war. Ich wäre tatsächlich im Mistwetter ins Mistwetter gefahren, das da momentan herrscht. Also leider erst mal keine Bilder und Geschichten von der Fahrt. Das kommt jetzt halt etwas später.

PS: Die 86 Tage sind erst mal ein Arbeitstitel für die neue Situation. Ich muss noch einiges organisieren bis dahin. Beginnend mit einer neuen Urlaubsvertretung. Wenn alles feststeht, werde ich den Countdown gegebenenfalls noch mal aktualisieren.

Written by

Joerg Moellenkamp

Avid bicyclist, likes california, dreams to combine both.