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(Ein wichtiger Hinweis: Ich bin medizinischer Laie. Ich habe nur lange mit meiner Krankheit gelebt. Ich kann alles medizinische hier falsch verstanden oder falsch wiedergegeben haben. Jede in diesem Text wiedergegebene Information ist potentiell aus dem Zusammenhang gerissen, falsch, unvollständig. Hört auf Euren Arzt! Fehler sind meine Fehler, nicht die meiner Ärzte.Meine Erfahrungen sind anekdotisch. Eure Erfahrungen können anders sein.)

Ich schrieb im letzten Teil, dass ich damals doch nicht operiert wurde. Die erste Zeit danach war dann doch ziemlich anstrengend. Nicht so sehr körperlich. Es hatte sich ja nichts geändert. Sondern im Kopf. So hatte ich auch mit einer mentalen Folge der Situation zu tun, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Ich musste da anfangs erst einmal Wege finden, damit zurechtzukommen.

Circulus vitiosus

In meinem Wikipedia-Zitat über die Implikationen der Erkenntnisse von Laplace in Bezug auf Aneurysmen (durch das Aneurysma erhöht sich der Druck auf die Außenwände des Gefäßes, was zu einer Aufweitung des Aneurysmas und somit zu noch mehr Druck führt) war ja schon von einem „Circulus vitiosus” die Rede. Meiner Erfahrung nach gibt es im Zusammenhang mit dieser Krankheit einen zweiten Teufelskreis. Einen mentalen Teufelskreis.

Du bekommst also die Diagnose Aneurysma. Du lernst, wie wichtig Blutdruckkontrolle ist. Du liest, wie sehr Blutdruckspitzen zu Problemen führen können. Und irgendwann lernt dein Kopf den Zusammenhang: „Niedriger Blutdruck sehr gut, normaler Blutdruck gut, hoher Blutdruck mies, sehr hoher Blutdruck sehr mies.” Blutdruck ist irgendwie alles.

Daraus entsteht im Hintergrund immer so eine niedrigschwellige Angst. Nein. Angst trifft es nicht richtig. Das ist nicht so eine offensichtliche Angst, in der man schreiend wegrennt. Sondern eher so eine leise Befürchtung, die Spielchen im Kopf treibt. Man fängt an, Befürchtungen hinsichtlich hohen Blutdrucks zu haben. Man will ja auch Blutdruckspitzen so weit es geht verhindern. Deswegen nimmt man Blutdruckmedikamente. Deswegen lässt man bestimmte Tätigkeiten.

Das Miese ist jetzt der folgende Zusammenhang: Nicht nur Anstrengungen oder Stress erhöhen den Blutdruck. Angst oder die kleine Schwester der Angst, die Befürchtung, können das auch. Jetzt stell dir mal vor, du hegst Befürchtungen vor zu hohem Blutdruck, weil du gelernt hast, dass zu hoher Blutdruck böse ist. Richtig. Das ist Circulus-Material.

Befürchtungen und Angst gebären höheren Blutdruck. Höherer Blutdruck gebiert neue Angst. Neue Angst gebiert noch höheren Blutdruck. Und das in einer Situation, in der man eigentlich den Blutdruck eher niedrig halten sollte. Doofe Situation. Und wenn man nicht aufpasst, kann man sich in eine solche Situation hineinmanövrieren. Man kann es so schaffen, sich wirklich auf einen viel zu hohen Blutdruck hochzubefürchten. Es ist hier wichtig, ein wenig darauf aufzupassen, dass man sich nicht in eine solche Situation hineindenkt. Befürchtungsexkursion, wenn man so will.

Es sind halt massive Folgen, die ein Platzen des Aneurysmas haben kann. Da kann man schon mal die eine oder andere Befürchtung haben.

Wie bin ich damit zurechtgekommen? Na ja, anfangs mit Hilfe der pharmazeutischen Industrie. Ohne diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Allein das Wissen, etwas im Badezimmerschrank zu haben, mit dem man den Teufelskreis sicher unterbrechen kann, sorgt schnell dafür, dass dieser Kreis durchbrochen wird. Es reicht, daran zu denken, dass man ja das Mittel hätte. Und die Befürchtungsexkursion bricht in sich selbst zusammen, ohne sonst etwas zu tun.

Später habe ich das nicht mehr benötigt. Der Kopf kreiert das Problem, der Kopf kann es auch wieder beenden. Ab Mitte 2023 habe ich dafür angefangen, mit Entspannungstechniken zu üben. Am Ende half aber am besten, was ich schon lange gemacht habe, wenn es ein wenig stressig wurde: Kopfhörer auf, Noise Cancellation einschalten, Augen zu, einen Moment warten, bestimmte Playlist anwerfen, Musik hören. Augen wieder auf. Weiterarbeiten. Das hat tatsächlich bei mir besser funktioniert als andere Entspannungstechniken.

Ich werde diese Technik auch nach meiner OP dauerhaft weiterverwenden, wo das alles nicht mehr ganz so kritisch ist. Weil diese Technik für mich auch eine Hilfe ist, mich zu fokussieren, wenn es gerade aus allen Ecken kommt. Zwei Minuten reichen mir da völlig. Es war erstaunlich, wie gut das bei mir wirkte.

Vielleicht half auch dabei, dass ich irgendwann eine gewisse Ruhe bezüglich des Blutdrucks entwickelte. Ich bin irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass mich 150/90 nicht gleich umbringen werden und ich vielleicht einfach nur mal die Augen schließen und mich entspannen sollte. Nach einem schwierigen Telefonat, nach einer lebhaft geführten Diskussion. Immerhin waren das Blutdruckgegenden, die ich beim Radfahren mal gesehen habe. Und ich war auch in Jahr vier und fünf nicht vom Rad gefallen. Na ja, doch schon. Aber aus anderen Gründen. So startete der Teufelskreis erst gar nicht. Ich weiß, das ist auch nicht gut, weil man dann nachlässig bezüglich des Blutdrucks wird, aber es verhinderte bei mir relativ zuverlässig, dass der Blutdruck zu hoch wurde. Und ich habe einen Blutdruck von nordwärts 200 als gefährlicher angesehen als ab und an mal eine solche Messung zu akzeptieren, zumal er meist am Abend schon wieder völlig okay war.

Ich bin nur zweimal in den sieben Jahren noch mal in Richtung systolisch 200 gekommen. Das eine Mal 2019, das andere Mal 2023. Beides stand in Verbindung mit sehr emotionalen Situationen. Aber beide Male konnte ich das wieder fangen, auch wenn das zweite Mal einfacher zu kontrollieren war, weil ich eine gewisse Erfahrung damit gesammelt hatte.

Und noch ein Hinweis: Messt nicht zu häufig Blutdruck. Das ist meine persönliche Erfahrung. Zu häufiges Messen sorgt auch für zu hohen Blutdruck. Das habe ich am Anfang auch anders gehalten. Weil ich um die Bedeutung des Blutdrucks für das Aneurysma wusste, habe ich viel zu häufig gemessen. Das war so in den ersten Monaten nach der Diagnose, wenn man alles gerade frisch mitgeteilt bekommen hat, was da so los ist und was passieren kann. Ich habe ein paar Monate nach der Diagnose gebraucht, um das wieder auf ein gesundes Level herunterzudrücken. Ich habe irgendwann morgens und abends gemessen. Und das war’s dann. Nicht auch noch zwischendurch, weil das Gerät so nah auf dem Schreibtisch lag. Das halte ich auch nach der OP immer noch so. Alles andere scheint mir „too much information” zu sein. Im Krankenhaus und in der AHB wurde schließlich auch nur morgens und abends gemessen.

Blutdruck

Wenn sich vieles gedanklich um Blutdruck dreht, lernt man auch viel über Blutdruck an sich. Der empfohlene optimale Blutdruck liegt mittlerweile bei unter 120/80. Alles andere gilt schon als erhöht. Wobei ich da vielleicht nicht auf dem neuesten Stand bin. Bin auch Laie. Jetzt haben viele Leute bei diesen Zahlen wieder über Big Pharma geschimpft und „Die wollen doch nur Kranke erzeugen”, weil das einem so niedrig vorkommt.

Aber zu den 120/80 muss man eine Sache wissen: Sie sind unter optimalen Umständen zu messen. Nicht, nachdem man gerade drei Stockwerke zum Doc hochgewetzt ist. Nicht, nachdem man im Stau stand, keinen Parkplatz bekommen hat und eigentlich schon zu spät ist. Nicht, nachdem man sich auf dem Weg zum Doc noch einen 0,75-l-Eimer Kaffee geholt hat und ehrlicherweise wegen der Schlange beim Bäcker zu spät ist, nicht wegen der Parkplatzsuche.

Fünf Minuten Ruhe vor dem Messen. Zur Vermeidung von Weißkittelblutdruck (leide ich arg drunter) eigentlich sogar ohne Arzt. Füße nebeneinander, nicht übereinander. Vernünftig sitzend. Entspannt sitzend. Ohne Druck auf Blase oder Darm. Eigentlich insgesamt so, als würde man unter völliger Entspannung zu Hause den Blutdruck messen. Und dann sollten etwa 120/80 herauskommen.

Und ja … das hört sich nicht so an, als könnte man das wirklich gut in einer Praxis. Ich vermute daher, dass Ärzte schon per se etwas vom gemessenen Wert abziehen respektive das Blutdruckmessen im Praxisablauf so einplanen, dass man etwas Ruhe hat. In der kardiologischen Praxis, zu der ich gehe, wird immer zuerst das EKG gemacht und dann der Blutdruck gemessen.

Ich würde ohnehin nahelegen, selbst ein Blutdruckmessgerät zu besitzen, damit man mal selbst messen kann. Auch wenn ihr kein Aneurysma habt. Gibt es für kleines Geld, teilweise sogar zuweilen bei Lebensmitteldiscountern. So kann man dann maximal entspannt den Blutdruck zu Hause messen und muss sich nicht auf die Zahlen nach dem Sprint ins Wartezimmer verlassen.

Wenn ich noch eine Empfehlung aussprechen darf: Es gibt Oberarm- und Unterarmgeräte (am Handgelenk zu benutzen) zum Messen des Blutdrucks. Beide messen technisch wahrscheinlich genauso präzise. Beim Unterarmgerät kann man nur deutlich mehr falsch machen, während das Oberarmgerät eigentlich schon ganz gut an richtiger Stelle in Relation zum Herz liegt. Ich bin da sehr zufrieden mit dem Omron Evolv. Es ist ein Gerät für den Oberarm. Es misst, während es aufpumpt, und nicht wie andere Geräte, die erst aufpumpen und dann die Manschette entlasten und währenddessen messen. Die Manschette ist ausrichtungsneutral. Man muss nicht gucken, wo genau der Schlauch und der Arm sind. Außerdem ist es klein genug, dass man es gut mitnehmen kann. Und in die Manschette passen Socken oder ein Krtek. Es hat zudem Bluetooth, und alles ist besser mit Bluetooth.

Ich habe das Gerät mal bei einem Auslandsaufenthalt 2017 in einem Target nahe San Jose gefunden. Und weil ich eh auf der Suche nach einem Messgerät war, bei dem ich die Zahlen nicht für den Doc aufschreiben muss, sondern das Mobiltelefon das übernimmt, habe ich es dann mitgenommen. Und seitdem bin ich bei diesem Gerät geblieben.

Obwohl ich ziemlich rumhampeln musste, um es an mein iPhone zu koppeln, da es die Software für in Amerika gekaufte Geräte nur im US-App-Store gab. Mein iPhone hing aber offensichtlich am deutschen App-Store. Warum bitte schön? Das erzeugt Blutdruck. Ich habe das Gerät später durch eine Dämlichkeit zerstört. Es ist nämlich nicht wasserdicht. Ich habe mir dann aber noch mal die deutsche/europäische Version des Geräts gekauft. Ich bin zufrieden damit. Ich verlinke das hier nicht als Affiliate-Link. Such danach einfach beim Elektronikdealer eures minimalen Misstrauens.

Exkurs: „Krtek und die Talismane“

Die Geschichte eines Maulwurfs und warum dieser später mit ins Krankenhaus musste (Lesezeit: 8 Min.)

Ich schrieb gerade, dass man in die Manschette des Blutdruckgeräts einen Krtek stopfen kann. Aber was zum Henker ist ein Krtek???

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Sport

Meine OP war also abgesagt, aber eben nur aufgeschoben. Das hatte mir der Arzt im Albertinenkrankenhaus auch sehr deutlich zu verstehen gegeben. Das Problem war nicht aus der Welt.

Als ich wieder zu Hause war, fasste ich einen Entschluss: Ich wollte den Tag, an dem ich wieder vor all den Sorgen hinsichtlich der Operation stehen würde, so weit wie möglich in die Zukunft schieben. Den OP-Termin verzögern. Ich wollte, dass alles so bleibt, wie es ist. Also fit werden, den Blutdruck so weit wie möglich senken.

Im April 2019 hatte ich eine Diskussion mit meinem Kardiologen zum Thema Sport. Mein Abnehmen, das ich nach der Diagnose im Dezember 2018 gestartet hatte, stagnierte. Und ich war mir sicher, dass weitere Erfolge sich nur mit einem bewegten Hintern einstellen würden. Ich fing mit Radfahren an. Später sogar mit Laufen.

Bis 2022 habe ich richtig viel Sport getrieben. Ich bin sehr lange Strecken mit dem Fahrrad gefahren. In einem Jahr 20 000 km. Das war bisher die längste Strecke, die ich in einem Jahr hinter mich gebracht habe. Ich lief im Jahr 2020 richtig viel.

Und das ist mein Weg gewesen, den ich als den dritten Weg zwischen OP und Schonung bezeichnet habe. Ich habe etwas gemacht, das eigentlich so gar nicht zu der Krankheit passte. Ich suchte mir gezielt Sport aus, der nicht in dem Ruf steht, das Aneurysma zu belasten. Ich bin immer im aeroben Bereich gefahren. Ich habe während der Fahrten zu Hause (ich habe einen Indoortrainer) regelmäßig den Blutdruck gemessen. Das führte zusammen mit weniger Essen zu einer starken Reduzierung des Gewichts und zu einer Zeit, in der ich mich wirklich wohl in meiner Haut gefühlt habe, obwohl ich wusste, dass unter der Haut mein Problem war.

Ich wurde von Kollegen lachend angeguckt, als ich plötzlich davon sprach, dass man in der Nähe eines bestimmten Hotels in Köln sehr gut laufen könnte. Ausgerechnet von mir. Ich war beruflich einige Male in dieser Zeit in Köln und hatte da diese Erfahrung gesammelt. Vom Hotel über die Severinsbrücke, den Rhein runter, über die Hohenzollernbrücke wieder auf die andere Seite, den Rhein hoch und dann zurück zum Hotel. Keine besondere Strecke.

Nur war das halt ein Kommentar von jemandem, der eigentlich nicht im Verdacht stand, sich viel sportlich zu bewegen. Und das war für manche Leute der Witz an sich. Ich war trotz des Aneurysmas in der Zeit in der Form meines Lebens gewesen. 160 km Radfahren. 21 km Laufen. Leider zählt in der Badewanne Plantschen nicht als Schwimmen. Sonst wäre das ein Triathlon gewesen. Das Ganze ging aber irgendwann bergab, als ich mir in einem nahegelegenen Wald in einem Schlagloch den Knöchel angebrochen hatte. Seitdem lief sportlich nichts mehr so richtig rund.

Meine Idee war damals, dass ich, wenn ich schon auf den Tisch musste, das in der bestmöglichen Form tun möchte. Leider ist davon wenig übrig geblieben. Gab es viele Gründe für. So bin ich dann mit einer „so na ja”-Form dieses Jahr in die OP gegangen. Hat trotzdem funktioniert, wie man daran sieht, dass ich diesen Text schreibe. Ich sitze mittlerweile wieder auf meinem Indoor-Rad und merke schon, dass die Beine wieder wollen.

Absehbar

Der Durchmesser des Aneurysmas änderte sich für einige Zeit nicht signifikant. Alles im Rahmen der Messungenauigkeit. Ich dachte wirklich, dass das so bleibt. Ich bereitete mich gedanklich schon auf eine Operation nach meiner Verrentung vor, auch wenn ich nicht wirklich dachte, dass das realistisch war. Es war mal einen Millimeter mehr, mal einen Millimeter weniger. Und auch wenn ich mich so stark belastete mit dem Radfahren, so schien das keine Auswirkungen auf den Durchmesser des Aneurysmas zu haben. Ich hatte die Hoffnung, dass es für sehr lange Zeit so bleiben würde.

Aber wann immer man Hoffnung hat, die eigentlich unrealistisch ist, gibt es auch den Punkt, an dem diese Hoffnung zerstört wird. Wenn die Welt sagt: „Jo, schöner Gedanke, aber nee.” Und einem den Mittelfinger zeigt.

Ich glaube, es war im Oktober/November 2022, als mir sehr deutlich bewusst gemacht wurde, dass es nicht so bleiben würde. Die Werte in den Ultraschallkontrollen fingen an zu steigen. Jetzt nicht mit gewaltigen Schritten. Aber sie stiegen. Etwas mehr, als dass man diesen Anstieg für Messungenauigkeiten halten könnte. Meine Hoffnung, dass ich die Schwelle zur OP vielleicht erst in 20–30 Jahren erreichen würde, war damit erledigt. In diesem Moment änderte sich viel. Aus „irgendwann mal” wurde „absehbar”. Meine Hoffnung, dass ich nur eine besonders große Normvariante der Aorta habe, die schon immer in mir war, wurde zerstört.

Stattdessen wurde diese durch die nicht mehr abzuweisende Erkenntnis ersetzt, dass da ein pathologischer Prozess im Gange war, der vermutlich noch Geschwindigkeit aufnehmen würde und mich zwangsläufig auf den OP-Tisch bringen würde. Realistisch betrachtet ist auch eine 48-mm-Normvariante nicht wirklich gut gewesen. Aber „Es wächst!” war noch mal eine ganz andere Aussage.

Das hat mir damals Illusionen und anschließend ein wenig die Beine weggerissen. Ich habe das damals versucht, gut zu verstecken. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mein inneres Gleichgewicht wiederhergestellt hatte. Bis dahin war ich mehr oder weniger wie 2018 schon wieder ein Korken im Strudel meiner Gedanken.

Ich weiß natürlich, dass das mit der Normvariante eine Illusion war. Etwas, mit dem ich mich beruhigt habe. Auf jeden Fall war das aus heutiger Perspektive so. Aber man sucht sich auch immer Wege, mit einer Situation klarzukommen, die nicht ganz einfach ist. An 2023 habe ich bis heute zu kauen. Viel ist in jenem Jahr passiert. Ich würde nicht von einem „annus horribilis” sprechen. Dazu geht das alles noch viel schlechter, wie ich beobachten durfte. Aber es war schon sehr problematisch. Ich will aber nicht zu sehr meckern: 2023 war nicht nur schlecht. Beruflich war 2023 die Zeit meines bisher größten Erfolgs. Wahrscheinlich, weil ich mich damit abgelenkt habe und mich mit Verve in das Projekt geworfen habe. Weil ich mich auf das Projekt fokussiert habe. Ein Projekt, auf das ich stolz bin.

Ich habe mich seitdem mit peinlich genauer Blutdruckkontrolle beschäftigt. Ich fand für mich einen Weg, wie ich Situationen umgehen kann, die den Blutdruck in die Höhe schießen lassen, sodass sie eben nicht eskalieren. Ich kaufte mir später sogar ein E-Bike, um die Belastung auch da noch besser zu kontrollieren. So fit wie nach 2018 und vor 2022/2023 bin ich aber nicht mehr geworden. Ich hoffe aber, dass ich da wieder hinkomme.

Ich war mit meinem Versuch, den Fortschritt des Aneurysmas aufzuhalten, in einem gewissen Rahmen durchaus erfolgreich: Es hat von da an noch etwas über zweieinhalb Jahre gedauert, bis ich die Schwelle erreicht habe, die die Operation unausweichlich machte.

Ich weiß nicht genau, warum es im Jahr 2025 dann relativ schnell ging. Es muss irgendwann im Frühjahr passiert sein. Ich machte einen ordentlichen Sprung von der vorletzten bis zur letzten Messung in Richtung OP. Ich habe eine Ahnung, wann es passiert ist. Wann sich die Aorta noch mal so richtig geweitet hat. Es ist so ein Gefühl. Ich kann mich sehr genau an die Situation erinnern, als der Blutdruck noch mal richtig in die Höhe schoss. Und ich bedanke mich bei den anwesenden Personen. Not. Aber auch dieser Zusammenhang kann reiner Zufall gewesen sein.

Im achten Teil dieses Artikels (der mittlerweile aus 41 474 Wörtern besteht – in jenem Moment, in dem ich das erste Mal „41 474” schreibe; beim zweiten Mal 44 883 Wörter) wird es dann ernst. Es ist 2025, und die Operation steht unmittelbar bevor.

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Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts