Es scheint so eine Art Trennungslinie unter Blogautoren zu sein. Manchen Blogs sieht man an, dass sie maschinelle Contentgeneratoren recht ausgiebig nutzen. Der Mensch mehr Stichwortgeber als Autor. Andere erwecken den Eindruck, als wäre ihre Position ausschließlich eine Fundamentalopposition. Das ist das Spektrum. Ich denke, ich schulde Euch eine Verortung, wo ich mich darin wiederfinde.

TL;DR: Irgendwo dazwischen.

Notwendige Transparenz

Realistisch gesehen ist Slop unausweichlich, wenn man sich in irgendeinem sozialen Netzwerk1 bewegt. Slop ist überall. Ich habe kein Problem mit Slop an sich. Mancher Slop ist so gut (oder zumindest so unterhaltend), dass man ihn als eigene Form des Ausdrucks durchgehen lassen kann2. Das ist einem schmierigen Hamburger mit Pommes nicht unähnlich, der sicherlich nicht gesund ist, aber manchmal eben das Loch im Bauch füllt.

Außerdem denke ich, dass durch maschinelle Content-Generierung viele Geschichten erzählt werden, deren Erzähler vorher nicht die Fähigkeiten hatten, diese für ein Publikum zu erzählen. Das macht so manche Geschichte nicht weniger erzählenswert.

Ich kann nicht zeichnen oder malen, selbst wenn es um mein Leben ginge. Auch wenn so manche Situation hervorragend in einen Comic passen würde. Warum ich dafür nicht maschinelle Content-Generierung verwende? Warum ein Bild, wenn ich dafür genauso gut tausend Worte schreiben kann?

Ich will nur wissen, wann ich einem LLM-generierten Text gegenüberstehe. Und zwar nicht nur, wenn der Text sloppig ist, sondern wenn der Text in der Hauptsache aus einem LLM stammt. Das ist eine Transparenz, die ich fordere, wenn ich Lebenszeit für den Konsum dieses Contents aufwende. Ich möchte mich aktiv für den Konsum maschinellen Contents entscheiden können — im Wissen, dass ich damit womöglich Slop aufnehme. So wie ich mich aktiv für den Konsum eines Hamburgers entscheide.3 Oder für die sechzehntausendneunundzwanzigste Folge von General Hospital.

Wenn ich jedoch selbst so etwas fordere, kann ich schlecht selbst darüber intransparent sein. Okay, hier also meine Position dazu, die gleichzeitig auch einen Disclaimer für meinen eigenen Content darstellt.

Inkompatibilität

Es gibt einen sehr einfachen Grund, warum ich nicht an der Seite des Spektrums stehe, das LLM allumfassend einsetzt. Ich habe schon häufiger geschrieben, dass ich um des Schreibens willen schreibe. Deswegen schreibe ich so, wie ich schreibe. Aber „um des Schreibens willen schreiben“ ist völlig inkompatibel mit der Nutzung eines LLM. Das wäre so, als würde man zum Entspannen in Ölfarben malen, indem man einem Maler sagt, was er auf die Leinwand bringen soll.

Workflow

Die Texte sind hier selbst geschrieben. Deswegen schwankt der Output auch so stark. Zeiten fast manisch wirkenden Textoutputs folgen auf eher ruhige Phasen. Manie ist es allerdings nicht. Man kann daran aber recht gut sehen, wie es gerade um meinen Nachtschlaf bestellt ist.

Die Texte entstehen meist als Idee in einem Notizbuch (nein, keine App, das aus Papier, zu benutzen mit irgendeinem Schreibgerät. Ich mag die Notizbücher von Leuchtturm in DIN A4) und werden dann zu ausformulierten Artikeln in Word. Der Rechtschreibkontrolle wegen.4 Ich habe gemerkt, dass die Grammatik und Rechtschreibung der Artikel deutlich angezogen haben, seitdem ich meinen Blog-Workflow deutlich jenem angepasst habe, den ich tagsüber für berufliche Texte verwende. Ich bin halt doch ein Kind der blauen und roten Linie.

So komme ich auch zu meinen Halbgeviertstrichen. Die meisten Textverarbeitungsprogramme haben eine Regel, die diese durchsetzen. Es gibt Menschen, die Halbgeviertstriche zur LLM-Erkennung nutzen. Ich bin mir unsicher, ob diese Menschen öfter Textverarbeitungsprogramme einsetzen. Da in manchen Bereichen der Vorwurf des Slops oder auch der Unterstützung durch LLM schwerwiegend sein kann, würde ich mir wünschen, dass jene Menschen ihr Instrumentarium auch auf False-Positives und False-Negatives prüfen. Nicht jeder Text mit Halbgeviertstrichen ist LLM, nicht jeder Text ohne Halbgeviertstriche ist ohne LLM entstanden.

Hier ließe sich hervorragend darüber streiten, ob Rechtschreibkontrolle in Word schon die verpönte automatisierte Textgenerierung ist oder noch akzeptabel. Ich gehe ehrlicherweise davon aus, dass zukünftig Rechtschreibkontrollen in Textverarbeitungsprogrammen lokale LLMs sein werden. Und dann wird’s echt schwierig, hier noch eine reine Lehre zu vertreten.

Dass ich keine LLM in den Urtexten verwende, bedeutet aber nicht, dass ich keine LLM verwende. Ich habe mich vor einigen Wochen dazu entschlossen, das Blog zukünftig zweisprachig zu führen. Aus der Historie heraus hat dieses Blog ein eher internationales Publikum. Ich hatte durch Feedback und einigen leisen Signalen in meinen Logfiles die Vermutung, dass die Texte recht häufig irgendwelchen Tools übergeben werden, die diese Texte maschinell übersetzen. Die Zweisprachigkeit ist allerdings in der dazu notwendigen Qualität nicht zu halten, wenn ich diese Übersetzung manuell erstelle. Das habe ich bei der Übersetzung der „The day my Heart stood still“-Reihe deutlich bemerkt. Irgendwo in der Reihe habe ich angefangen, die Übersetzung mit zunehmender LLM-Unterstützung zu schreiben.

Mittlerweile habe ich dort einen eingespielten Workflow. Da Deutsch offensichtlich meine Muttersprache ist, entsteht der Text zuerst in dieser. Die englische Version entsteht dann mit LLM-Unterstützung.

Grenzen

Nun bemerke ich hier halt auch die Grenzen maschineller Übersetzung. Ich hatte kürzlich in einem Text den Merksatz „333 – bei Issos Keilerei“ verwendet. Den hat das LLM auch brav und in hoher Qualität übersetzt. Nur funktioniert dieser Satz nicht im Englischen. Üblicherweise braucht der englische Text dann noch eine deutliche Nachbearbeitung. Beispielsweise, dass aus 333 der Merksatz „In fourteen hundred ninety-two, Columbus sailed the ocean blue“5 wird.

Auch sprachlich finde ich mich in den automatisch übersetzten Texten zuweilen nicht so recht wieder. Deswegen folgt dann trotzdem eine manuelle Überarbeitung des übersetzten Textes. Abschließend erfolgt dann noch mal ein Lauf mit dem LLM, um die in der Überarbeitung eingebauten Fehler zu korrigieren.

Beides waren die Gründe, warum ich die Übersetzung nun selbst bereitstelle. Ich kann nicht kontrollieren, was aus meinem Artikel wird, wenn einem beliebigen Tool nur die URL zur Übersetzung gegeben wird. Ich kann aber kontrollieren, was ich selber ins Blog stelle. Und mit der Unterstützung eines LLM ist der Zeitaufwand vertretbar geworden.

Gelebte Transparenz

Ich habe mich dazu entschlossen, darüber transparent zu sein. Daher habe ich mir in meiner Blogsoftware ein Liquid-Tag gebaut, das einen Disclaimer dazu ausgibt, dass der Text mit LLM-Hilfe entstanden ist. Dieser kommt vorne in den übersetzten Text.

Für einen aus einem deutschen Urtext übersetzten Artikel findet sich dann am Anfang folgende Einleitung:

This text was translated into this language with the help of an LLM, so that not every reader has to do this on their own. Afterwards the text was revised manually once more, as some passages of my texts cannot be translated easily. Out of this reason the translated variants may even diverge from the original one, as manual changes may not found their way back into the original text.

  1. Und in diese Kategorie zähle ich jetzt mal Youtube. 

  2. Ihr müsst schon zugeben, dass der auf Youtube zu findende Mock-Trailer mit David Bowie als Dr. Strange und Arnold Schwarzenegger als Thor schon irgendwie was hat. Zumal wenn David Bowie anders als in Labyrinth keine viel zu enge, nichts versteckende Strumpfhose trägt.6 

  3. Und ja, man bekommt auch vegane Burger in schmierig. 

  4. In Gitea kommen dann nur noch die Metadaten dazu. Das funktioniert weitaus besser, als die Texte direkt im Webeditor von Gitea zu schreiben. 

  5. Musste ich mir auch erst rausgooglen … 

  6. Allerdings scheint das die Zeit gewesen zu sein. Man denke an die Metallunterhose von Sting in David Lynchs Dune. 

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts