M-O-N-D sagt Tom Cullen in Stephen Kings The Stand - Das letzte Gefecht. Er buchstabiert es. Vielleicht weil das Wort für ihn zu groß ist. Und er guckt zum Mond. Als Kind habe ich oft zum Mond geguckt. MOND. Ich erinnere mich, dass ich es als Kind total irre fand, dass da einfach direkt vor unserer Nase eine Kugel rumflog. So nah, dass es nicht nur ein kleiner Punkt am Himmel war. So nah, dass man die großen Meere auf dem Mond sah.

Leider hatten sie kurz vor meiner Geburt damit aufgehört, zum Mond zu fliegen. Faszination aus zweiter Hand. Gefunden in Büchern und Dokumentationen. Ich hatte eine Space-Shuttle-Kindheit1. Dinosaurier gab es nur als Was-ist-was-Buch. Nicht in der Allgegenwärtigkeit, die uns zehn Jahre später traf.

Viele Jahre später besuchte ich auf Reisen das San Diego Air & Space Museum und in Washington das Smithsonian Air & Space Museum. Es stehen dort eine Reihe von Ausstellungsstücken aus jener Zeit. Erst als ich mit eigenen Augen gesehen habe, womit die Astronauten zum Mond geflogen sind, habe ich wirklich begriffen, was diese Menschen getan haben. Ein dünnwandiger Kanister in Alufolie auf Insektenbeinen2. Ein paar Schritte weiter die riesigen Düsen der Saturn-Rakete.

Man hat kein Gefühl für die Dimensionen, wenn man nicht mal davor gestanden hat. Die Fähre ist kleiner, als man es sich vorstellt. Viel filigraner, als man denkt. Die Düsen so unendlich viel größer.

Die Menschheit ist zum Mond zurückgekehrt. Deshalb finde ich es schade, dass Menschen gerade den Mond umkreist haben, dass aber völlig in weltlichen Nachrichten untergeht. Menschen fliegen um den Mond. Entfernen sich so weit wie nie von der Erde. Ja, es wird darüber berichtet. Aber ich beobachte, dass in meinem Umfeld die Begeisterung fehlt. Eine gewisse Genervtheit gegenüber der Berichterstattung hat ihren Platz eingenommen. Vermutlich weil im Kopf kein Platz für den Raum ist.

Sie sind “on the dark side of the moon”. Ja, schön. Sprit kostet 2.50€. In Deutschland schafft es ein Wal nicht mehr von einer Sandbank. Die Politik wirkt allgemein völlig ratlos. Ein Präsident schreibt so völlig unpräsidiale Worte und es hat keine Konsequenzen. Im Nahen Osten droht ein Konflikt in einer Region völlig zu eskalieren, die seit der ersten Mondlandung nicht zur Ruhe kommt.

Und dann zieht der Mond ruhig seine Bahnen. Er zog diese, schon lange bevor es Menschen mit ihren Problemen gab. Von denen ich als Kind wenig wusste. Bevor ich mich gegen die Flut von Nachrichten wehren musste.

Wenn ich ehrlich bin, ich gucke noch heute zum Mond und denke: „Hey, total irre …”. Und momentan sind da Menschen.3


  1. Ja, ich weiß: “NEEEEEERRRD” 

  2. Wir sind auch heute noch so unendlich weit weg von Brücken mit Ledergestühl und Teppichboden. Und einem Aquarium für den Kommandanten. Wir hätten noch nicht einmal Platz für einen Beagle. Und in Deutschland hätte die Mondfähre echte Probleme mit den Unfallverhütungsvorschriften bekommen. Berechtigt. 

  3. Man guckt in den Himmel zum Mond und ganz vielleicht guckt da gerade jemand zurück. Und diesen Gedanken finde ich gerade wirklich irre. 

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts