Vor ein paar Tagen zeigte meine Statistik wieder mal einen dieser unerklärlichen Peaks, die wahrscheinlich darauf hindeuten, dass das Blog gerade von irgendeinem LLM aufgesogen wird. Beim Stöbern in den Referrern stolperte ich dabei über ein anderes Blog. Echte Blogs sind irgendwie selten geworden. Es scheint, als würden die meisten Menschen nur noch als Echtlebensstaffage und Algorithmusfutter in sozialen Netzwerken schreiben, zwischen LLM-generiertem Schund, Bildern mit der immer gleichen Ästhetik und automatisiert generiertem Antwortspam, der irgendein politisches Narrativ vorantreiben soll. Ich weiß, dass das stark übertrieben ist, aber manchmal fühlt es sich so an.
Jenes Blog hatte eine Leseliste. Bücher, die dieser Mensch gelesen hatte. Und irgendwie fand ich das eine schöne Idee. Ich gucke gerne in Bücherregale von anderen Leuten, genauso wie ich gerne meinen Blick über die CDs streifen lasse, sollten diese noch immer öffentlich im Regal aufgebahrt sein. Immerhin haben sich diese Menschen an irgendeinem Punkt für ein Buch, für eine CD entschieden. Und ich finde, das sagt etwas über sie. Ich weiß, dass es viel über einen Menschen aussagt, wenn zwischen Störkraft und den Onkelz eine Kuschelrock-LP steht. Oder überhaupt nur Kuschelrock-CDs. Genauso, wie man natürlich auch seine Vorurteile hat, wenn sich dort nur Harry Potter findet. Aber wer ohne Vorurteile ist, stelle sich neben Reich-Ranicki und werfe den ersten Bücherkanon.
Ich habe mich entschieden, mein Bücherregal ins Internet zu stellen. Das Ganze läuft zwar technisch in meinem Blog, ist aber unabhängig davon. Ihr werdet jetzt nicht laufend irgendwelche Artikel im Blog sehen, in denen ich ein Buch vorstelle. Dies wird auch der einzige Artikel bleiben, der auf dieses Projekt verweist. Es hat eine eigene Übersichtsseite und sogar einen eigenen RSS-Feed. Die ersten Bücher sind schon veröffentlicht.
Ich habe für dieses Projekt einige Ideen:
- Mein Lesematerial von heute unterscheidet sich stark von jenem vor 40, 30 oder auch nur 20 Jahren. Die Liste soll das repräsentieren.
- Deshalb werde ich die Liste von zwei Seiten aufbauen: von dem, was ich früher gelesen habe, und von dem, was ich heute lese. Irgendwann wird sich das in der Mitte treffen. Würde ich an einem Ende anfangen, läge das andere in ferner Zukunft. Und irgendwie scheint mir der Spaß einer solchen Liste auch in den Dingen zu liegen, die weit zurückliegen.
- Ich will die Bücher explizit nicht rezensieren. Trotzdem wird es zu jedem Buch zumindest einen kurzen Text geben. Über das, was ich denke, und woran ich mich erinnere, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Manchmal zum ersten Mal seit Jahrzehnten, Umzüge nicht mitgezählt.
- Aus diesem Grund gibt es eine weitere Regel: nur Bücher auf Papier, eBooks zählen nicht. Für den Moment des Gedankens, wenn man aufs Cover guckt und sich erinnert.
- Momentan verlinken die Bücher auf eine Webseite, meist die des Verlags, manchmal auch Wikipedia. Ich werde die Tage noch einen Link zu Amazon als universell verfügbarem Buchhändler hinzufügen.1
- Schlechte Bücher werde ich wohl verschweigen. Es sei denn, sie sind dermaßen schlecht, dass sie schon wegen ihrer „Schlechtigkeit“ erwähnenswert sind. Damit meine ich nicht Bücher, die einfach nicht meins waren, sondern schlechte Bücher im Sinne von „Ich will eigentlich mein Geld und meine Zeit zurück“.
- Peinliche Bücher dagegen werde ich nicht verschweigen. Gerade jene nicht, wegen derer ich wieder angefangen habe, Bücher auf Papier und nicht nur als eBook zu kaufen. Es war nämlich nicht nur der Punkt, dass ich einfach lieber auf Papier lese. Sondern, tief im Hintergrund, eben auch: Damit man mich nicht an den Büchern misst, die ich vor 30 Jahren gekauft habe, wenn irgendwann jemand meinen Mist wegräumen muss. Weil alles, was später kam, sicher auf einem eBook-Reader versteckt ist und ich für das viele Geld anscheinend keine Lizenz erworben habe, die über mein Abtreten von der Bühne des Lebens hinausgeht. Ja, ich weiß, dass das ein ziemlich merkwürdiger Grund ist, aber nicht jeder Grund muss irgendwie gut sein. Ihr werdet hier also auch Bücher aus meinem heute etwas peinlichen Giftschrank finden, die ich früher trotzdem gern gelesen habe. In Zukunft wird Tom Clancy in völliger Gleichberechtigung neben Yeats stehen. Fachbuch neben Bilderbuch.
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Ich hatte erst über einen Affiliate-Link nachgedacht. Aber das war und ist mir zu viel Theater. Und ich habe dieses Blog nie monetarisiert, warum sollte ich jetzt damit anfangen? ↩