In meiner unendlichen Weisheit habe ich es geschafft, zwei Kanarienvögel-Pärchen in meinem Käfig zu haben. Verdammt. Das war nicht so geplant. Das hatte ich so nicht im Kopf.

Die Lage ist nunmehr eskaliert. Deutlich. Es ist das passiert, was immer in der Natur – Menschen eingeschlossen – passiert, wenn man Paarbindungsprozessen ihren freien Lauf lässt. Was habe ich auch erwartet? Zölibatäre Kanarien? Das hat nicht mal bei Dornenvögeln funktioniert.

Es hätte mir eine Warnung sein sollen, als die Verkäuferin beiläufig sagte, sie hätten bei den Zebrafinken nicht aufgepasst und nun wären da zwei Jungtiere im Käfig. Aufgepasst? Bin ich nun auch nicht meiner Aufgabe als Anstandsmensch für die Vögel gerecht geworden? Oder ist es letztlich müßig, sich der Natur in den Weg stellen zu wollen? In diesen Belangen wird man ohnehin überrollt - auch von vier Kanarienvögeln.

Linux hat sich sehr eindeutig1 und unabweisbar als Henne herausgestellt und hat was mit Solaris angefangen. Irix brütet schon eine Weile auf ihren Eiern rum, die aus einer Liaison mit Redhat entstanden sind.

Ich mag ihnen nicht erzählen, dass ich täglich die Eier gegen Plastikeier austausche. Ich habe hier keinen Platz für 10 Neuankömmlinge, sie würden aber auch nicht aufhören, weitere Eier zu legen, wenn man sie ihnen einfach nur wegnimmt. Ich las, dass sich Kanarienvögel auch stumpf zu Tode legen können.

Seitdem bin ich stolzer Besitzer einer größeren Menge falscher Kanarienvogeleier. Aus Plastik. Massiv. Sollte es jetzt wirklich die nächsten 10 Jahre Teil meines Lebens sein, im Frühling durch Fressschalen zu gehen und Eier einzusammeln?

Eine Freundin von mir hatte recht, als ich erzählte, was aus dem zugeflogenen Vogel geworden ist: Diese Tiere sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Was erwartet man auch von etwas, das aus der Ferne wie ein bunterer Fink aussieht. Sind ja letztlich auch genau das: Bunte Finken. Von ihr lernte ich auch, dass der Harzer Roller nicht nur die Bezeichnung für den infernalisch stinkenden Käse ist, den mein Vater zuweilen aß.

Nicht die hellsten Kerzen … nach Beobachtung der Vögel über die letzten Wochen stimmt das auffällig. Linux hat keine Ahnung, was sie mit dem bereitgestellten Nistmaterial anfangen soll und rupft stattdessen die Seile der Schaukel auseinander. Irgendwann wird diese statisch fragwürdig werden. Aus dem viel praktischeren dezidierten Material zur Innenausstattung der Brutstätte macht sie Halloweenspinnenwebendeko für den Käfig. Alle vier machen sich einen Spaß daraus, Futter und Einstreu großzügig über den Boden zu verteilen. Brennet heller, Kerzen. Nur ein bisschen.

Ich habe mittlerweile ein virtuelles Zimmer um meinen Käfig gelegt, das mehrfach am Tag von meinem Staubsaugerroboter bearbeitet wird. Ich glaube, der wünscht sich mittlerweile auch die ruhigere prä-kanarische Zeit zurück. Immerhin stürzt er sich noch nicht die Treppe herunter.

In Kanarienvögelnestern nach Eiern zu gucken, stand ganz bestimmt nicht auf meiner Bingokarte für 2026. Und all das nur, weil ich es nicht übers Herz gebracht habe, Linux ins Tierheim zu bringen. Wer keine Sorgen hat, macht sich welche. Und wer keine Arbeit hat, beschafft sich diese.

Auf der anderen Seite: Redhat und Solaris singen eigentlich wirklich wunderschön und laut. Sie versuchen, in den sängerischen Wettbewerb mit dem Staubsauger und Wasserkocher zu treten. Was eigentlich sehr toll ist. Sie treten dummerweise auch mit mir in Konkurrenz, wenn ich am Schreibtisch sitze und eine Telefonkonferenz habe. Angeblich soll man es nicht hören, aber zu glauben vermag ich das nicht so ganz.


  1. Ich denke, das Ei ist Beweis genug. 

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts