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<title>c0t0d0s0.org</title>
<description>A blog about Life, Solaris, Cycling and all the rest.</description>
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  <title>c0t0d0s0.org</title>
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<title>Utah Teapot</title>
<description>Von Friesland in die Welt</description>
<content:encoded>&lt;div class=&quot;lang-switch&quot;&gt;
&lt;a class=&quot;lang-switch__link&quot; hreflang=&quot;en&quot; href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/en_utahteapot.html&quot;&gt;in English 🇬🇧&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Ich habe vor einigen Tagen etwas gefunden, nachdem ich schon länger auf der Suche war. Eine Teekanne. Nicht irgendeine Teekanne, sondern eine bestimmte. Die gleiche, nicht dieselbe. Die steht nämlich im Computer History Museum.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Übrigens ist dieses Museum ein sehr lohnenswerter Besuch, wenn es einen in die Gegend verschlägt. Wenn man sehr zynisch sein will, ist es die endgültige Kabelkiste.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie auch immer: Dort steht eine Teekanne. Der sogenannte Utah Teapot. Utah, weil Martin Newell Mitte der siebziger Jahre dieses Objekt&lt;sup id=&quot;fnref:5&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fn:5&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; im Rahmen seiner Arbeit an der Universität von Utah als Vorlage für ein 3D-Modell genutzt hat – eines der ersten, die nicht aus Polygonen bestanden, sondern aus Bézier-Flächen. Teapot, weil’s halt offensichtlich ein Teepott ist.&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Es gibt zu dieser Teekanne übrigens auch eine &lt;a href=&quot;https://graphics.cs.utah.edu/teapot/&quot;&gt;offizielle Webseite&lt;/a&gt; der Universität Utah, und zum 50. Jubiläum haben Newell und Kollegen auf der SIGGRAPH &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=k-23LgrFcvs&amp;amp;t=113s&quot;&gt;einen Vortrag&lt;/a&gt; über ihre Geschichte gehalten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als Easter Egg ist die Kanne recht häufig. Ich habe sie das erste Mal im Windows-Bildschirmschoner „Pipes“ gesehen. Sie taucht auch in Toy Story auf. Und natürlich hat &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=TIxt9guMbXo&quot;&gt;Tom Scott ein Video dazu gemacht&lt;/a&gt;.&lt;sup id=&quot;fnref:2&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fn:2&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ausgerechnet diese Teekanne hat einen deutlichen Rückbezug auf meine alte Heimat. Die Teekanne ist nämlich von Melitta und damit deutscher Provenienz. Die hatten auch Porzellan im Angebot und nicht nur patentierte Kaffeefilter. Es wird aber noch lokaler: Gefertigt wurde diese als “Haushaltsteekanne” in der Friesland Porzellanfabrik.&lt;sup id=&quot;fnref:3&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fn:3&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; In Varel. Varel ist kaum 40 km von jenem Kaff entfernt, in dem ich groß geworden bin. Nicht einmal 30 km von dem Ort, an dem ich studiert habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als mir bewusst wurde, dass ich unbedingt so eine Kanne haben wollte, war es für eine neue Kanne zu spät. Die Friesland Porzellanfabrik war einige Monate vorher in großen Teilen &lt;a href=&quot;https://www.kreiszeitung.de/lokales/niedersachsen/grossbrand-rauch-varel-sieben-hallen-von-porzellanfabrik-in-vollbrand-video-zeigt-flammenmeer-92373560.html&quot;&gt;abgebrannt&lt;/a&gt;. Da war es wieder. Mein großartiges Timing.&lt;sup id=&quot;fnref:4&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fn:4&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;5&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Bei den Neuporzellanhökern war die Kanne nirgends mehr zu finden. Nach drei Jahren unregelmäßiger Suche  bei Trödlern und Flohmärkten hat’s dann ein Vintage-Porzellanladen auf Etsy gerichtet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/teapot_text.jpeg&quot; alt=&quot;Utah Teapot&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dafür habe ich jetzt eine Teekanne, die wahrscheinlich so um die 50 Jahre alt ist. Ich weiß natürlich nicht, ob’s eine Fälschung ist. Aber wer fälscht eine millionenfach gefertigte Teekanne? So groß ist der Teekannen-Markt für Nerds mit Sammeltrieb dann wahrscheinlich doch nicht.&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:5&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Die Idee kam von seiner Frau Sandra. Die beiden saßen gerade beim Tee, als sie vorschlug, doch einfach das Teeservice zu modellieren. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fnref:5&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Manchmal finde ich die Nähe des Plattdeutschen zum Englischen doch sehr erstaunlich. Und das Koppke in der universellen ostfriesischen Troubleshooting-Strategie „Eerstmal en Koppke Tee“ scheint mir zu nah an „cup of tea“ zu sein, als dass es Zufall wäre. Und wie man am Beispiel von Newell sieht, funktionierte diese Strategie sogar in Utah. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:2&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wozu hat der Herr eigentlich kein Video gemacht? &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fnref:2&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:3&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Was nicht mit Ostfriesland zu verwechseln ist. Friesland – also der Landkreis Friesland mit dem Kennzeichen FRI, was hier gern mit „Fahr richtig, Idiot“ übersetzt wird – liegt nicht etwa zwischen Ostfriesland und Westfriesland (das zu den Niederlanden gehört), sondern östlich von Ostfriesland. Nordfriesland liegt zwar nördlich von Friesland, aber weiter östlich als Ostfriesland und sogar als Friesland. Als man die Namen vergab, hatte man es anscheinend noch nicht so mit „Nie Ohne Seife Waschen“. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fnref:3&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:4&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich hätte sie kaufen sollen, als mir diese Kanne zum ersten Mal als Geschenkidee für einen Menschen in den Sinn kam, der recht computergrafik-affin war. Das war einige Wochen vor dem Brand. Ich schob es dann auf, weil es noch einige Monate bis zu jenem Geburtstag sein sollte. In der Zwischenzeit ging halt alles in Flammen auf. Ich sag ja: Timing kann ich. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/utahteapot.html#fnref:4&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
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<pubDate>Thu, 15 Oct 2026 04:00:00 +0000</pubDate>
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<title>Thoughts: Die Farbe der Zukunft</title>
<description>Warum die Zukunft oft blau ist</description>
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&lt;a class=&quot;lang-switch__link&quot; hreflang=&quot;en&quot; href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/en_blau.html&quot;&gt;in English 🇬🇧&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Welche Farbe hat eigentlich die Zukunft? Die Frage ist nicht so blöd, wie sie vielleicht zunächst klingen mag. Sie kam neulich in einem Gespräch mit Kollegen auf. Denn wenn man heute eine AI um ein Bild der Zukunft bittet, ist es oft blau, zumindest bläulich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein neues Phänomen ist das natürlich nicht. Legionen von Graphikern aus der Stockgraphiklohnsklaverei haben irgendwann entschieden, dass die Zukunft blau ist. Selbst älterere Bilder der Zukunft sind oft bläulich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Film und Fernsehen ist es ja nicht anders. Die Enterprise schimmerte immer bläulich. Lukes und Obi-Wans Lichtschwerter waren blau. Flackernde, leicht bläulich erscheinende Neonröhren waren Grundausstattung für jede Sci-Fi-Szene, die etwas auf sich hielt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Modelle haben das gelernt, und so bekommen wir eine Zukunft gezeichnet, die eben blau ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das klärt aber immer noch nicht, warum die Zukunft blau ist, also die Frage warum blau gewählt wurde. Ich habe ChatGPT mal danach gefragt: „Welche Farbe hat die Zukunft?” Antwort: “Die Zukunft hat die Farbe, die wir ihr geben. Sie ist nicht nur das, was auf uns zukommt, sondern auch das, was wir heute daraus machen.“ Vielen Dank für gar nichts, stochastischer Klookschieter. Master of tautology. Kräht der Hahn auf dem Haufen, ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist. Oder gibt es hilfreiche Antworten nur mit Account?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Volkswagen sagte mal in einem Werbespot: „Blau macht glücklich.“ Glücklich ist aber nicht unbedingt der Begriff, der mir als Erstes einfallen würde, wenn ich momentan in die Zukunft blicke. Es ist ein Schwarz, das ich stellenweise sehe. Anderswo ein tiefes Braun. Und alles auf der Grundlage eines aparten Graus. Manchmal macht mir Blau sogar Sorgen. Vor allem, wenn es nur eine dünne Schicht ist, unter der eine andere Farbe durchscheint.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber eigentlich ist es doch klar, warum die Zukunft blau ist. Die Vergangenheit entfernt sich von uns, die Zukunft kommt auf uns zu. Natürlich muss uns die Zukunft dann auch blau erscheinen. Der Dopplereffekt bei der Arbeit. Ist doch offensichtlich.&lt;/p&gt;

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<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 16:00:00 +0000</pubDate>
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<title>Leseliste</title>
<description>Ein Blick in mein Regal</description>
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&lt;a class=&quot;lang-switch__link&quot; hreflang=&quot;en&quot; href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/en_leseliste.html&quot;&gt;in English 🇬🇧&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Vor ein paar Tagen zeigte meine Statistik wieder mal einen dieser unerklärlichen Peaks, die wahrscheinlich darauf hindeuten, dass das Blog gerade von irgendeinem LLM aufgesogen wird. Beim Stöbern in den Referrern stolperte ich dabei über ein anderes Blog. Echte Blogs sind irgendwie selten geworden. Es scheint, als würden die meisten Menschen nur noch als Echtlebensstaffage und Algorithmusfutter in sozialen Netzwerken schreiben, zwischen LLM-generiertem Schund, Bildern mit der immer gleichen Ästhetik und automatisiert generiertem Antwortspam, der irgendein politisches Narrativ vorantreiben soll. Ich weiß, dass das stark übertrieben ist, aber manchmal fühlt es sich so an.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jenes Blog hatte eine Leseliste. Bücher, die dieser Mensch gelesen hatte. Und irgendwie fand ich das eine schöne Idee. Ich gucke gerne in Bücherregale von anderen Leuten, genauso wie ich gerne meinen Blick über die CDs streifen lasse, sollten diese noch immer öffentlich im Regal aufgebahrt sein. Immerhin haben sich diese Menschen an irgendeinem Punkt für ein Buch, für eine CD entschieden. Und ich finde, das sagt etwas über sie. Ich weiß, dass es viel über einen Menschen aussagt, wenn zwischen Störkraft und den Onkelz eine Kuschelrock-LP steht. Oder überhaupt nur Kuschelrock-CDs. Genauso, wie man natürlich auch seine Vorurteile hat, wenn sich dort nur Harry Potter findet. Aber wer ohne Vorurteile ist, stelle sich neben Reich-Ranicki und werfe den ersten Bücherkanon.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe mich entschieden, mein Bücherregal ins Internet zu stellen. Das Ganze läuft zwar technisch in meinem Blog, ist aber unabhängig davon. Ihr werdet jetzt nicht laufend irgendwelche Artikel im Blog sehen, in denen ich ein Buch vorstelle. Dies wird auch der einzige Artikel bleiben, der auf dieses Projekt verweist. Es hat eine eigene &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/readinglist/&quot;&gt;Übersichtsseite&lt;/a&gt; und sogar einen eigenen &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/readinglist.xml&quot;&gt;&lt;abbr title=&quot;Really Simple Syndication&quot;&gt;RSS&lt;/abbr&gt;-Feed&lt;/a&gt;. Die ersten Bücher sind schon veröffentlicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe für dieses Projekt einige Ideen:&lt;/p&gt;

&lt;ol&gt;
  &lt;li&gt;Mein Lesematerial von heute unterscheidet sich stark von jenem vor 40, 30 oder auch nur 20 Jahren. Die Liste soll das repräsentieren.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Deshalb werde ich die Liste von zwei Seiten aufbauen: von dem, was ich früher gelesen habe, und von dem, was ich heute lese. Irgendwann wird sich das in der Mitte treffen. Würde ich an einem Ende anfangen, läge das andere in ferner Zukunft. Und irgendwie scheint mir der Spaß einer solchen Liste auch in den Dingen zu liegen, die weit zurückliegen.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Ich will die Bücher explizit nicht rezensieren. Trotzdem wird es zu jedem Buch zumindest einen kurzen Text geben. Über das, was ich denke, und woran ich mich erinnere, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Manchmal zum ersten Mal seit Jahrzehnten, Umzüge nicht mitgezählt.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Aus diesem Grund gibt es eine weitere Regel: nur Bücher auf Papier, eBooks zählen nicht. Für den Moment des Gedankens, wenn man aufs Cover guckt und sich erinnert.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Momentan verlinken die Bücher auf eine Webseite, meist die des Verlags, manchmal auch Wikipedia. Ich werde die Tage noch einen Link zu Amazon als universell verfügbarem Buchhändler hinzufügen.&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/leseliste.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Schlechte Bücher werde ich wohl verschweigen. Es sei denn, sie sind dermaßen schlecht, dass sie schon wegen ihrer „Schlechtigkeit“ erwähnenswert sind. Damit meine ich nicht Bücher, die einfach nicht meins waren, sondern schlechte Bücher im Sinne von „Ich will eigentlich mein Geld und meine Zeit zurück“.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Peinliche Bücher dagegen werde ich nicht verschweigen. Gerade jene nicht, wegen derer ich wieder angefangen habe, Bücher auf Papier und nicht nur als eBook zu kaufen. Es war nämlich nicht nur der Punkt, dass ich einfach lieber auf Papier lese. Sondern, tief im Hintergrund, eben auch: Damit man mich nicht an den Büchern misst, die ich vor 30 Jahren gekauft habe, wenn irgendwann jemand meinen Mist wegräumen muss. Weil alles, was später kam, sicher auf einem eBook-Reader versteckt ist und ich für das viele Geld anscheinend keine Lizenz erworben habe, die über mein Abtreten von der Bühne des Lebens hinausgeht. Ja, ich weiß, dass das ein ziemlich merkwürdiger Grund ist, aber nicht jeder Grund muss irgendwie gut sein. Ihr werdet hier also auch Bücher aus meinem heute etwas peinlichen Giftschrank finden, die ich früher trotzdem gern gelesen habe. In Zukunft wird Tom Clancy in völliger Gleichberechtigung neben Yeats stehen. Fachbuch neben Bilderbuch.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich hatte erst über einen Affiliate-Link nachgedacht. Aber das war und ist mir zu viel Theater. Und ich habe dieses Blog nie monetarisiert, warum sollte ich jetzt damit anfangen? &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/leseliste.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/leseliste.html</link>
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<category>German</category>
      
<category>Buecher</category>
      
      
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<title>Der Tag, an dem mein Herz stillstand - Teil 20</title>
<description>Geliehene Erinnerungen</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20-english.html&quot;&gt;Version in English&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;sup&gt;&lt;i&gt;(Ein wichtiger Hinweis: Ich bin medizinischer Laie. Ich habe nur lange mit meiner Krankheit gelebt. Ich kann alles medizinische hier falsch verstanden oder falsch wiedergegeben haben.  Jede in diesem Text wiedergegebene Information ist potentiell aus dem Zusammenhang gerissen, falsch, unvollständig. Hört auf Euren Arzt! Fehler sind meine Fehler, nicht die meiner Ärzte.Meine Erfahrungen sind anekdotisch. Eure Erfahrungen können anders sein.)&lt;/i&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe letzten Dezember angefangen, eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die an einem Tag im November 2018 mit einer Diagnose begann. Es sind bisher neunzehn Kapitel geworden in dem Versuch, aufzuschreiben, was seit diesem Tag passiert ist. Dies ist nun der zwanzigste Teil. Und es ist der letzte.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;die-schere-an-mnemosynes-tüdelband&quot;&gt;Die Schere an Mnemosynes Tüdelband&lt;sup id=&quot;fnref:70&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:70&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Ich habe bis heute sehr lebhaft diesen fast völlig dunklen Raum vor Augen. September, der Dreißigste. Morgens, kurz nach sechs. Vor einem Jahr. Kurz bevor ich in den Vorbereitungsraum für die Operation geschoben wurde. Der Vorbereitungsraum war sehr hell. Der Schein, der durch die offene Tür strahlte, tauchte den Vorraum, in dem ich wartend lag, in ein merkwürdiges Licht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Licht blendete mich ein wenig, als ich Minuten später im Vorbereitungsraum lag. Geräte neben mir. Es ist die letzte Erinnerung an das „Davor“. Ich weiß nicht mehr, welche Worte der Arzt dann noch sprach. Ob ich antwortete.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die erste Erinnerung an das „Danach“ ist die tiefstehende Sonne an einem neblig erscheinenden Himmel, als ich auf der Intensivstation lag. Ein Moment, von dem ich bis heute nicht aus eigener Erinnerung weiß, ob er einen oder zwei Tage später war.&lt;sup id=&quot;fnref:100&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:100&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Ob der Nebel in meinem Kopf war oder wirklich in der Luft.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Beide Momente rahmen ein „Dazwischen“ ein, an das ich keine Erinnerung habe. Ich habe im letzten Jahr versucht, diese Lücke zu füllen. Ohne großen Erfolg.&lt;sup id=&quot;fnref:40&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:40&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;die-nicht-zu-füllende-lücke&quot;&gt;Die nicht zu füllende Lücke&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Einige wenige Fragmente habe ich mittlerweile zusammensetzen können. Aber das sind alles nicht meine Erinnerungen. Ich habe sie den Berichten entnommen, den Rechnungen, den Erzählungen der Menschen um mich herum. Es sind geliehene Erinnerungen. An echter Erinnerungen statt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Jahr seit der Operation habe ich mehrfach die Berichte zur Hand genommen. Um noch etwas Neues zu finden, das mir bisher vielleicht nicht aufgefallen war. Um der Lücke wenigstens eine Struktur zu geben, wenn sie schon nicht zu füllen ist. Aber auch als Kontrast zum Heute, um zu sehen, wie weit ich tatsächlich gekommen bin in diesem Danach. Ich habe diesen Versuch mittlerweile aufgegeben, da ist nichts mehr hervorzuholen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich musste sehr aufpassen, dass fremde Erinnerungen nicht zu meinen wurden. Dass Bilder, die man in Videos gesehen oder auf Webseiten gefunden hat, nicht plötzlich ins eigene Erinnern eingebaut werden, weil der Kopf versucht, eine Lücke zu schließen, und sich alles greift, dessen er habhaft werden kann.&lt;sup id=&quot;fnref:5&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:5&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Die Natur verabscheut ein Vakuum, das Gehirn anscheinend erinnerungslose Leerstellen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Meine eigenen Erinnerungen an dieses „Dazwischen“ sind unwiederbringlich weg. Nein, sie sind nie entstanden. Und das hat mich im vergangenen Jahr mehr mitgenommen als fast alles andere. Die Anzahl der bewussten Tage ist endlich, und mir fehlen zwei … oder vielleicht drei.&lt;sup id=&quot;fnref:60&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:60&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;5&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß natürlich, dass diese Lücke durch die Narkosemedikamente entstanden ist. Dass diese Lücke sogar eine wünschenswerte Folge der Narkose ist. Man muss sich in diesem Zusammenhang nicht an alles erinnern. Dadurch wird aber die Lücke nicht leichter zu akzeptieren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Ironie ist, dass ich gleichzeitig bei mindestens einer Erinnerung froh bin, dass ich sie nicht habe. Die Extubation nach der Operation wird als sehr unangenehm beschrieben. Das mag sein. Ich weiß es nicht. Weil ich mich nicht erinnern kann. Auch ein Jahr später wurde ich nicht durch eine Erinnerung daran überrascht. Und für diese eine Lücke bin ich dankbar.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;danach&quot;&gt;Danach&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Die Erinnerungen an die ersten Tage nach der OP sind lückenhaft. Ich erinnere mich noch, wie eine ganze Gruppe Ärzte plötzlich vor meinem Intensivbett stand. Der Moment, in dem ich vom &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part10.html#kurz-nach-der-op&quot;&gt;Hemiarch&lt;/a&gt; erfuhr. Ich weiß, dass das meine Erinnerung ist, weil ich in dieser Erinnerung eine Sprechrolle hatte. Ich habe einige wenige Worte gesagt. So vollständig setzen meine Erinnerungen erst ein bis zwei Tage später wieder ein. Aber vielleicht habe ich auch den Rest der Zeit einfach geschlafen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dieses Danach ist nicht einfach. Vielleicht, weil die Zeit mit einer Katastrophe für einen anderen Menschen&lt;sup id=&quot;fnref:6&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:6&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;6&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; begann. Aber: Ich habe zum zweiten Mal in zwölf Monaten gesehen, wozu die Medizin fähig ist. Und ich bin genauso wie beim ersten Mal dankbar dafür.&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;7&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dabei war mein eigener Weg auch so schon verschlungen genug. Wenn ich zurückblicke, lässt sich das Jahr in vier Abschnitte aufteilen. Jeder etwa drei Monate lang. Jeder mit seiner eigenen Überschrift. Die ersten drei Monate waren die Zeit der körperlichen Heilung, der Reha, meiner Arbeitsunfähigkeit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die nächsten drei Monate waren eine Phase des Begreifens, dass die Operation nun tatsächlich hinter mir liegt. Ich hatte mir auch diese drei Monate gegeben, um wieder in den Rhythmus meiner Arbeit zu kommen. Damit war mein Plan, den ich mir in den Wochen vor der OP gemacht hatte, erfüllt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Doch dann verbrachte ich weitere drei Monate in einem Tal, das sich ebenso überraschend wie erwartbar auftat. Überraschend, weil ich nach der Operation und der völlig unauffälligen Nachsorgeuntersuchung nicht damit gerechnet habe. Erwartbar, weil die Auseinandersetzung mit einer so existenziellen Situation nicht ohne Spuren bleiben kann. Und diese kommen genau dann zum Vorschein, wenn sie nicht mehr von der Last der vergangenen Monate verdeckt werden. Ich hatte keinen Plan für diese Zeit, weil ich nicht glaubte, einen zu brauchen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dieses Zwischenhoch mit anschließendem Tal erkennt man auch sehr gut an diesem Blog. Die ersten drei Monate dieses Jahres waren im Blog von einem fast – aber auch nur grenzwertig fast – wahnhaften Output geprägt. Ich konnte zu der Zeit nicht schlafen und hatte viele wache Stunden. Die nächsten drei Monate wurde es sehr ruhig hier im Blog. Ich war mehr mit mir selbst beschäftigt und damit, auf dem Niveau, das ich primär von mir selbst erwartete, im Beruf zu funktionieren, als mit dem Blog. Oder dem restlichen Leben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn ich einen letzten Rat in dieser Serie geben darf: Lasst euch Zeit nach einer solchen Operation. Es ist unrealistisch, nach einer solchen Erfahrung einfach wieder leichtfüßig durch die Welt zu tanzen. Es ist unrealistisch, zu denken: „Drei Monate Heilung, drei Monate Wiedereingliederung, und dann ist schon wieder alles okay“. Nein. Ist es nicht. Man braucht Zeit, um das alles zu verarbeiten und zu verstehen. Der Tanz durchs Leben ist zunächst mal ein langsamer. Er wird erst mit der Zeit schneller. Mein Kopf hat sich die Zeit genommen, ob ich wollte oder nicht. Seid nicht zu überrascht, wenn euer Kopf dasselbe fordert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die letzten drei Monate waren dann endlich der erhoffte und nunmehr fassbare Aufbruch in diese neue Zeit. Ich nahm einen langen Urlaub im August, von dem ich erst am Ende so richtig gemerkt habe, wie notwendig er war.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auch wenn es so klingen mag, war das kein plötzlicher Prozess. Weder war in den Monaten davor alles schlecht, noch wurde alles aus heiterem Himmel einfach gut. Man muss den Weg aus dem Tal heraus schon noch selbst laufen und zur Spitze ist es noch ein gewisser Weg. Aber ich sehe sie. Vor mir. Gefühlt schon zum Greifen nah.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;folgen&quot;&gt;Folgen&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;All das blieb nicht ohne Auswirkungen auf mich. Die Schwierigkeiten und Sorgen dieser Zeit führten mich allzu häufig zur geöffneten Kühlschranktür. Irgendwann war ich bei 134,6 kg&lt;sup id=&quot;fnref:45&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:45&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;8&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe bis Juli dieses Jahres gebraucht, um einen Weg daraus zu finden. Ich danke Brendan Fraser dafür, dass er mir vor Augen geführt hat, welchen Weg ich da eingeschlagen hatte. Es war der 8. Juli. An jenem Abend habe ich mir den Film „The Whale“&lt;sup id=&quot;fnref:2&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:2&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;9&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; angesehen. Am folgenden Tag begann das Abnehmen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie nötig das war, habe ich gesehen, als ich Mitte August meinen neuen Personalausweis abgeholt habe. Oder wie das kleine Plastikkärtchen bei mir auch heißt: das Mahnmal. Ernsthaft … ich habe das nicht alles überstanden, um mich jetzt in den gesundheitlichen Verfall und anschließenden Tod zu fressen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe wie immer einen Tritt in den Hintern gebraucht, um etwas zu ändern. In diesem Fall habe ich einen Film gebraucht, um zu merken, dass mein Handeln im Grunde selbstzerstörerisch war.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mein Ausbruch aus dieser Spirale war bisher erfolgreich. Wieder in der mir eigenen Art. Extrem. Meine erste Operation konnte nicht einfach ein Blinddarm sein. Oder ein gebrochener Knochen. Es musste gleich die Aorta werden.&lt;sup id=&quot;fnref:15&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:15&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;10&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Das große Besteck medizinischer Kunst. Ich konnte nicht einfach ein bisschen Radfahren. Es mussten zehntausende Kilometer werden in den Jahren vor meiner Operation. Ich konnte jetzt nicht einfach nur langsam mein Gewicht reduzieren. Es mussten 20 kg in knapp drei Monaten werden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin bei 113,9 kg. Es liegen immer noch weitere 20 kg vor mir. Aber wenn ich so weitermache wie bisher, bin ich wahrscheinlich ausgerechnet zum großen Weihnachtsfressen&lt;sup id=&quot;fnref:4&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:4&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;11&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; dort, wo ich sein will. Wo ich schon mal war, etwa zehn Monate nach jenem November 2018, in dem ich die Diagnose erhielt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wo ich wieder sein werde.&lt;sup id=&quot;fnref:16&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:16&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;12&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;wie-geht-es-dir&quot;&gt;Wie geht es dir?&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Wie geht es mir ein Jahr nach der Operation? Das ist eine schwierige Frage, wenn man sie vollständig beantworten will. Ich möchte sie zunächst zusammenfassend beantworten: Es geht mir gut. Kann man nicht anders sagen. Höchstens ein leises Jammern auf sehr hohem Niveau.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dieser Teil der Antwort ist einfach. Aber da fehlt so manche Nuance. Ich schrieb am Anfang der Serie, dass ich eine Krankheit habe, die andere nicht sehen können und die ich nicht merke. Das Merkwürdige ist: Ich hatte eine Operation und merke davon ebenfalls nichts. Ich gehöre zu jenen Menschen, die diese Operation bis jetzt sehr gut überstanden haben. Nicht selten, aber ganz und gar nicht selbstverständlich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ja klar, ich weiß natürlich rational, dass ich eine Rohrprothese im Körper habe. Es ist immer noch die Narbe, die mich jeden Tag, meist am Morgen, an die Operation erinnert. Vor dem Spiegel beim Zähneputzen nach dem Duschen. Ich weiß, dass mich diese Narbe bis an mein Ende an diese Operation erinnern wird. Sie wird vielleicht noch ein wenig verblassen, aber sie wird bleiben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich denke aber kaum daran, dass ich jetzt einen Implantatausweis mit mir rumtrage. Ich denke eigentlich gar nicht darüber nach – na ja, fast. Ich kann ja durch die Rohrprothese nicht mehr oder weniger als vorher. Ich verfluche sie genauso wenig, wie ich sie preise. Es geht einfach weiter. Sie ist da. Mehr nicht. Und dass man jetzt einen Dacron-Schlauch in sich hat, ist etwas, das als Gedanke so seltsam ist, dass ich ihn kaum habe. Er stellt sich beim Versuch, ihn zu denken, quer.&lt;sup id=&quot;fnref:3&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:3&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;13&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Da meine Aortenklappe weiterhin ein Originalteil ist, erinnert mich auch kein Klicken an diese Operation, das jene Wochen im Herbst des letzten Jahres immer wieder hervorholen würde. Klick. Du bist operiert worden. Klick. Du bist operiert worden. Klick. Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe das Risiko, an einer Ruptur zu sterben, durch die Operation ausgeschaltet. Aber Risiken kann man nicht anfassen, sie sind nicht greifbar. Sie sind unbestimmt. Eine Drohung für die Zukunft. Wegen des Aneurysmas, das 2018 gefunden wurde, werde ich wohl nicht mehr vor meiner Zeit von der Bühne abtreten. Damokles hat das Schwert über ihm eingepackt, hat Feierabend gemacht und ist von dannen gezogen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Operation rückt für mich immer mehr in den Hintergrund. Und das ist gut so. Auch wenn es sich komisch anfühlt, dass etwas so Großes plötzlich einen so kleinen Raum im Denken einnimmt. Sieben Jahre lag sie unausweichlich in der Zukunft. Nun ist sie in der Vergangenheit. Vielleicht auch, weil sich die Sorgen um andere Menschen an diesen Platz gedrängelt haben. Vor allem aber, weil etwas, das lange Zeit einen großen Teil meines Denkens eingenommen hat, jetzt schon ein Jahr hinter mir liegt und ich nun loslassen möchte.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;veränderung&quot;&gt;Veränderung&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Aber irgendwas muss sich doch verändert haben? Ja, hat es. Ich habe mich verändert. Wieder einmal. Ich schrieb, dass mich die Angst zwischen 2018 und 2025 verändert hat. Dass mich alles, was in diesen Jahren passiert ist, für lange Zeit geprägt hat. Mehr von anderen als von mir bemerkt. Nicht unbedingt zu meinem Vorteil, wie mancher Mensch merken musste. Jene Veränderungen durch die Angst sind immer noch da, noch sichtbar, aber sie verblassen zunehmend wie die Narbe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich werde nie wieder der sein, der ich vor 2018 war. Ich vermutete das schon letztes Jahr im Dezember, als ich anfing, den Bericht über meine persönliche Reise zu veröffentlichen. Doch heute weiß ich es sicher.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn auf den Fundamenten des Alten entstand und entsteht wieder jemand Neues. Der eigenen Endlichkeit bewusster. Aber auch mit weniger Angst, viel weniger Angst. Mit all den Erfahrungen der letzten, jetzt fast acht Jahre seit der Diagnose, die zum Teil sehr existenziell waren. Ich habe Perspektive gewonnen, manches ist auf ein realistisches Maß geschrumpft, anderes hat mittlerweile den Platz bekommen, den es von vornherein verdient gehabt hätte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es ist der Verlust des Gefühls der Selbstverständlichkeit, der einen verändert: dass man nichts voraussetzen darf. Nicht einmal das Leben selbst. Ich existiere im Gewebe meiner Beziehungen zu anderen Menschen. Ich bin darauf angewiesen, selbst wenn ich von mir behaupte, dass ich auch gut alleine durch die Welt komme.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn wir ganz unten sind, wenn wir uns nicht mal selbst die Hände waschen können, wenn wir nicht einmal Erinnerungen aufbauen können, wenn sogar die Bettkante ein Ort ist, den wir nur mit Hilfe wieder für uns einnehmen können, sind es andere Menschen, die uns wieder aufbauen. Familie, Freunde, Krankenpfleger*innen, Therapeut*innen, Kolleg*innen, Ärzt*innen. Das nicht nur rational zu wissen, sondern auch emotional in dieser rohen und existenziellen Weise zu erfahren – das ist die größte Veränderung, die einem eine solche Situation schenkt. Ja, schenkt. Denn es ist eine wertvolle Erfahrung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ansonsten bin ich weiterhin Jörg, ich mache mir weiterhin an mancher Stelle viel zu viele Gedanken. Das war auch schon vor der Operation so. Und ist auch so geblieben. Ich wurde schließlich an der Aorta operiert, nicht am Kopf. Die Gedanken gelten heute nur anderen Dingen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und nun? Wohin geht es? Auch eine gute Frage. Weiter! Aber das ist Stoff für jene Artikel, in denen ich &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/tags/jahresrueckblick/&quot;&gt;auf das vergangene Jahr zurückblicken werde&lt;/a&gt;. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass alles Weitere einen besonderen Platz benötigt. Oder haben sollte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich werde in Zukunft nicht mehr so häufig zum Arzt müssen. Einmal pro Jahr zum Kardiologen für einen Ultraschall, alle paar Jahre mal für eine Computertomographie ins Krankenhaus, in dem ich operiert wurde. Um zu gucken, ob noch alles sitzt, wo es sein sollte. Nicht mehr das Hangeln von Ultraschall zu MRT zu Ultraschall in jedem Jahr. Jedes Mal mit der Sorge, dass es jetzt so weit sein könnte. Mein nächster Termin ist tatsächlich erst im Sommer nächsten Jahres. Viel Zeit ohne bohrende Gedanken bis dahin. Das Gefühl, ein Stück weit auf geliehener Zeit&lt;sup id=&quot;fnref:50&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:50&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;14&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; zu leben, ist vorübergegangen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und sonst so? Ich lasse mich nicht mehr zu jedem Tanz auffordern. Nur noch zu jenen, die für mich wirklich eine Bedeutung tragen. Viele andere Tänze, die mir groß und wichtig erschienen, sind für mich heute nichtig und klein.&lt;sup id=&quot;fnref:26&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:26&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;15&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Ich hätte mich unter den gleichen Umständen heute nicht mehr &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part4.html#koblenz&quot;&gt;auf den Weg nach Koblenz gemacht&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;ende-dieser-reise&quot;&gt;Ende dieser Reise&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Als ich im November 2018 die Diagnose bekam, dachte ich vor dem Krankenhaus, dass nun alles zu Ende sei. Dann erwachte mein Trotz. Die Jahre bis zur Operation waren schwierig, ich war schwierig.&lt;sup id=&quot;fnref:90&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:90&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;16&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Aber es war auch eine Zeit voller schöner Momente. Der Höhepunkt der Geschichte war nun vor einem Jahr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei allem, was passiert ist, bei allem, was heute ist, bei allem, was war, ist es aber noch schwieriger, eines im Kopf zu halten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jenen Satz, den meine Hausärztin sagte: „Sie sind noch da!“ Und das habe ich im November 2018 nicht als gegeben angesehen. Als diese Reise begann. Vor dem Krankenhaus in Koblenz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Tolkien sagt durch Bilbo: „Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nein. Wissen konnte man es nicht. Nur stellte sich nach all dem das Gefühl ein, dass trotz allem auch ein solcher Weg Schönes und Wichtiges beinhaltet und am Ende der Reise genügend passiert ist, dass es wert ist, erzählt zu werden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mit diesem letzten Text dieser Geschichte lasse ich diese Reise jetzt hinter mir. Euch allen, die ihr die ganze Reihe gelesen habt, danke ich dafür, dass ihr mich auf diese Weise begleitet habt. Ich werde auch in den nächsten Jahren den 30. September feiern. Aber nicht mehr die überstandene Operation, sondern die Freude, dass mir Familie und Freunde beigestanden haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Eine andere Reise startet jetzt. Sie kann starten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn ich bin noch da.&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;



&lt;h2 id=&quot;nachwort&quot;&gt;Nachwort&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Seufz, so ganz konnte ich dann doch nicht die Finger von diesem Text lassen. Das ist vielleicht normal für einen Text, an dem man recht lange gearbeitet, gefeilt und poliert hat.&lt;sup id=&quot;fnref:80&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:80&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;17&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Weil man in einem letzten Text einer Serie alles richtig sagen möchte. Weil immer noch Gedanken darum streiten, es in den Text zu schaffen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt Momente in Filmen und Serien, die einen in besonderer Weise berühren. In denen man sich seltsam verstanden fühlt. In denen man hofft, dass die Autoren einer fiktiven Figur wohlgesonnen sind. Einen solchen Moment hatte ich mit „The Pitt“.&lt;sup id=&quot;fnref:7&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:7&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;18&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Ich mag diese Serie wirklich sehr.&lt;sup id=&quot;fnref:25&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:25&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;19&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Wer die Serie noch nicht gesehen hat und keinen Spoiler zu zwei Nebensträngen lesen will, sollte nun aufhören zu lesen. Die großen Dinge werde ich aber nicht verraten.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In der zweiten Staffel gibt es den mit Dr. „Robby“ Robinavitch befreundeten Patienten Duke, der, wie sich im Laufe der Folgen herausstellt, ein thorakales Aortenaneurysma hat.&lt;sup id=&quot;fnref:10&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:10&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;20&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Mehr oder minder also mein Problem, nur dass meines asymptomatisch war. Dukes Aneurysma wird bis zum Ende der Staffel nicht operiert. Obwohl ich natürlich weiß, dass das kein echter Fall ist, frage ich mich ab und an, wie es mit diesem Menschen in der nächsten Staffel weitergeht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich würde mir wünschen, dass dies nicht den typischen Serien-Klischees folgt. Die heldenhafte Operation einer Empfangskraft, die in ihrer Heimat Polen eigentlich eine Gefäßchirurgin war. Der bemühte Arzt, die brillante Ärztin, die es doch nicht schaffen, den Patienten zu retten. Sondern wie es meistens in der wirklichen Welt bei einer elektiven Operation ist: ein Duke, der nach acht Stunden Operation einige Tage später auf seinem Bett liegend Eis isst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich beende Texte gerne mit einem Verweis auf Musik. Musik ermöglicht es, Dinge zu sagen, die man &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/mixtapes.html&quot;&gt;nicht selbst ausdrücken kann oder möchte&lt;/a&gt;. Das Lied, mit dem die zweite Staffel endet,&lt;sup id=&quot;fnref:12&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:12&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;21&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; ist &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=P-MGRSQPU5A&quot;&gt;„Thousand“ von Rosie Carney feat. Lisa Hannigan&lt;/a&gt;. Es endet damit, dass es Gründe gibt zu gehen, aber tausende, um zu bleiben. Amen!&lt;sup id=&quot;fnref:11&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:11&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;22&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Szene, in der dieses Stück gespielt wird, ist eine der schönsten Szenen, die ich in einer Serie gesehen habe. Dr. Robby hört ein Kind schreien, das von seiner Mutter zurückgelassen wurde. Er löst den Krankenpfleger ab, legt sein Telefon, auf dem das Stück läuft, neben das Kind, nimmt es hoch und tröstet es. Mit Worten, die genauso für ihn gelten könnten. Er sagt dabei unter anderem: „Sollen wir dich noch mal einmummeln? … Ich wünschte, mich würde auch jemand so schön einmummeln.“ Und wenn man all das, von dem ich in den letzten zwanzig Teilen geschrieben habe, hinter sich hat, blickt man auf den Fernseher, verfolgt diese wunderschöne Szene und denkt sich: Ja, genau. Manchmal schon.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auch wenn man eigentlich längst aus der Einmummelzeit raus ist.&lt;/p&gt;



&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:70&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Die Moiren hatten ihre Brillen nicht auf und dieses verworrene Tüdelband gekappt statt meines Lebensfadens. Puh. Gute Sache, das. Finde ich. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:70&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:100&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Die Rechnung für meinen Krankenhausaufenthalt verortet mich für den 1.10. bereits auf der Normalstation und nicht mehr in der Intensivpflege. Ich gehe daher davon aus, dass es einen Tag nach der Operation war und die aufgehende Sonne mir da ins Gesicht schien. Die Richtung würde passen. Sicher? Sicher bin ich mir nicht. Aber ich glaube nicht, dass ich bereits am selben Tag auf die Normalstation gekommen bin. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:100&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:40&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich hoffe nur, dass ich während des Aufwachens nichts allzu Peinliches&lt;sup id=&quot;fnref:110&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fn:110&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;23&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; gesagt habe. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:40&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:5&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich frage mich seitdem, inwieweit die Berichte „Ich kann mich an Dinge erinnern, die passierten, während ich im Koma lag“ nicht Erzählungen von Angehörigen sind, die wie eigene Erinnerungen integriert wurden. Genauso wie ich nicht sicher unterscheiden kann, ob Erinnerungen an die früheste Kindheit meine Erinnerungen sind oder Erinnerungen meiner Eltern, die zu meinen wurden. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:5&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:60&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wenn man es positiv sehen will – Zeitreisen sind möglich: Du bekommst eine Infusion. „Tadaaa“ … schon bist du zwei Tage in der Zukunft. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:60&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:6&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Es ist ein Mensch in meiner näheren Umgebung, keine nur entfernt bekannte Person. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben. Es ist nicht meine Geschichte. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:6&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich bleibe dabei: Krebs ist ein Arschloch! Selbst wenn die Medizin ein Todesurteil in Lebenslänglich umwandeln kann: chronisch krank, aber am Leben. Auch wenn es vielleicht nur für eine Zeit ist. Ich hoffe so sehr, das es für geraum Zeit ist. Ich wurde durch meine Krankheit zu einem Laienexperten für Aortenprobleme. Mittlerweile weiß ich viel zu viel über den Krebs, der das Leben jener Person verändert hat. Noch mehr Wissen, das ich nie haben wollte. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:45&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Was selbst größenkorrigiert (Trefethen-Verfahren) einem BMI von 34,26 entsprach. Und das war auf keinen Fall mehr haltbar. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:45&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:2&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ein hervorragender Film über einen Menschen, dem sein Leben nach einem Schicksalsschlag völlig entgleitet. Er gerät ins ungezügelte Essen. Mehr mag ich nicht verraten. Emotional äußerst schonungslos. Ein Film, auf den man sich einlassen muss. Was vermutlich notwendig ist, wenn man verstehen will, warum ich so heftig darauf reagiert habe. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:2&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:15&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wobei … ich habe mir das verdammt nochmal nicht ausgesucht. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:15&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:4&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Das habe ich mir dann aber auch verdient. Nicht weil ich mich damit belohnen will. Sondern weil ich bei diesem Fest an meine Familie und Freunde denken will. An jene Menschen, die mich getragen haben in dieser Zeit. Aber auf keinen Fall daran, doch jedes Fitzelchen in &lt;a href=&quot;https://github.com/jmoekamp/kaloriendingens&quot;&gt;Kaloriendingens&lt;/a&gt; einzutragen. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:4&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:16&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Jener Zeit, in der ich mich trotz des in mir schlummernden Problems in meinem Körper so wohl gefühlt habe wie nie zuvor. Wer darin einen Sinn findet, möge ihn mir erklären. Ich finde keinen. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:16&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:3&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich bin froh, dass ich mir nicht vorstellen muss, dass ich mit einer medizinischen Version des Tip-Top-Flickzeugsets repariert werden musste. Mit so ’nem schwarz-rot-orangen Flicken. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:3&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:50&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich mag den Begriff der geliehenen Zeit. Ich habe ihn das erste Mal in den 80ern als Titel des Computerspiels „Borrowed Time“ gesehen. Als ich einige Jahre nach Erscheinen das Spiel in den Händen hielt, war es für mich ein großartiger Titel für eine Detektivstory. Aber je älter ich werde, desto mehr Bedeutung gewinnt er für mich. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:50&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:26&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ja, ich habe mich hier hemmungslos und ohne jedwede Scham bei Reinhard Mey bedient. Manche Sätze sind so richtig, dass man sie nicht neu erfinden muss. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:26&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:90&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Einer der Menschen liest mein Blog wahrscheinlich nicht mehr, ein anderer Mensch hat es nie gelesen. Den Kontakt verloren. Trotzdem an dieser Stelle – falls ihr doch mal über diesen Text stolpert: Ein zutiefst empfundenes „Es tut mir leid!“ &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:90&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:80&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich habe im Git nachgesehen. Über 60 Commits über fast einen Monat alleine auf diesen Text. In Word ohne Git würde er jetzt „part-20-final-final-final-jetzwirklichfinal-nuisschlussmitaenderungen-korrekturversion-finalkorrekturv3.docx“ heißen. Üblicherweise sind das deutlich weniger. Und viele Commits fassen eine ganze Reihe Änderungen zusammen. Bei diesem Text fiel es mir extrem schwer, ihn als fertig zu bezeichnen, liegen zu lassen und einfach am 30.9. durch den automatischen Prozess zu veröffentlichen. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:80&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:7&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich habe oft gelesen, dass das Emergency Room 2.0 wäre. Das wird der Serie aber nicht gerecht. Ja, Noah Wyle spielt hier den Leiter der Notaufnahme Dr. Robby, nachdem er in ER Dr. Carter gespielt hat. Aber „The Pitt“ ist aus meiner Sicht Größenordnungen besser. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:7&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:25&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich bin der Meinung, dass jeder seinen oder ihren persönlichen Dr. Abbott haben sollte. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:25&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:10&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Irgendwie hatte ich schon früh eine Ahnung, worauf die Geschichte von Duke hinauslaufen würde. Ich sollte recht behalten. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:10&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:12&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Okay, okay, streng genommen ist es „You Oughta Know“ von Alanis Morissette. Aber das ist Post-Credits. Das zählt nicht so recht. Irgendwie. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:12&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:11&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Man verzeihe mir diese Aneignung als Atheist. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:11&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:110&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ist wieder so ein Designfehler im Menschen. Anscheinend fährt beim Shutdown zuerst die Firewall für peinliche Döntjes runter und dann erst die Kommunikationsfähigkeit. Aber immerhin mit wenig zeitlichem Abstand. Beim Booten ist es andersrum. Das Startup dieser Firewall dauert deutlich länger. Vielleicht ganz gut, dass man sich an nichts erinnert. Meine nächtliche Videothek der Pleiten, Pech und Pannen meines Lebens braucht nicht noch eine Kassette. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part20.html#fnref:110&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 01:00:00 +0000</pubDate>
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<dc:creator>joerg</dc:creator>
      
      
<category>Allgemein</category>
      
<category>TheDayMyHeartStoodStill</category>
      
<category>German</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
<item>
<title>Kommunalwahlhelfer</title>
<description>Viel zu kleine Stühle und viel zu große Stimmzettel</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Normalerweise findet die Wahl für den Wahlbezirk, in dem ich am Sonntag als Wahlhelfer eingesetzt war,&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; in einer Kirche statt. Oder vielmehr in Räumen der Gemeinde, die direkt an die Kirche angeschlossen sind. Diese Räume werden aber momentan renoviert. Das nächste öffentliche Gebäude, das genügend Platz bietet, ist die Igelschule – die Grundschule hier im Stadtteil. Ich bin da schon häufiger vorbeigefahren, war aber nie in dem Gebäude. Warum auch?&lt;sup id=&quot;fnref:2&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:2&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mir ist ja schon als Wähler aufgefallen, dass Grundschulen einen ganz wesentlichen Nachteil als Wahllokal haben. Die Möbel sind schlichtweg nicht für Menschen gedacht, die etwas größer sind. Ist ja auch klar, hier lernen kleine Menschen. Im Stehen wählen bedeutet da oft, sich weit runterzubeugen. Sitzen bedeutet, sich hinter diesen Tisch zu klemmen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als Wahlhelfer? Die Hölle, wenn man da für Stunden sitzt. Viel zu kleine Tische, viel zu kleine Stühle. Und man wartet einen halben Tag, dass die Wähler kommen.&lt;sup id=&quot;fnref:3&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:3&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Ich habe irgendwann den Stuhl der Lehrkraft gesehen und ihn mir geschnappt. Welch Wohltat für den Allerwertesten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gleichzeitig fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt. An einer Tafel steht „Mathe dannundann“. Ich hatte für einen Moment den Geruch des muffigen Tafelschwamms in der Nase, obwohl diese Schule mit diesen neumodischen Smartboards ausgestattet ist. Wir waren dort zu Gast, haben uns den Raum von den Schülern für einen Tag geliehen.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;am-rande&quot;&gt;Am Rande&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Mehr Leute als beim letzten Mal haben sich diesmal bei uns dafür bedankt, dass wir als Wahlhelfer da waren. Keksschachteln sollte man nicht auf den Tisch stellen. Scheint als Einladung zu wirken. Niemand, der versuchte, eine politische Diskussion anzuzetteln, den wir darauf hätten hinweisen müssen, dass diese an dem Ort deplatziert ist.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;alles-viel-komplizierter&quot;&gt;Alles viel komplizierter&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Ich habe ja zur &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/wahlhelfer.html&quot;&gt;Bundestagswahl letztes Jahr viel geschrieben&lt;/a&gt;. Beispielsweise, wie es war, das erste Mal nicht nur zu wählen, sondern auch zu helfen. Oder wie ich das Konzept wahrgenommen habe, mit dem die Integrität der Wahl gesichert wird. Und all das gilt ja immer noch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Eingesetzt war ich als Schriftführer. Unter anderem also den ganzen Tag Leute auf einer Liste abhaken. Und immer mit der Sorge, nicht in der falschen Reihe jemanden abzuhaken. Das macht einen wirklich ein wenig nervös.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn ein solcher Fehler macht die möglicherweise folgende Situation meines Wissens gelinde gesagt „komplex“. Ich hatte mir schon vorher dazu Gedanken gemacht und es mir diesmal angewöhnt, dass wir (die Wahlhelferin, die die Identitätskontrolle gemacht hat, und ich&lt;sup id=&quot;fnref:5&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:5&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;) im Vier-Augen-Prinzip aufs Abhaken geguckt haben und ich sowohl vor als auch nach dem Haken die Nummer des Wählers im Wählerverzeichnis genannt habe. Ich glaube, das hat sehr zuverlässig dieses Problem vermieden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Trotzdem gab es diesmal Neues für mich als Helfer: Es war eine Kommunalwahl. In Niedersachsen heißt das, dass man kumulieren und panachieren kann. Normalerweise gilt ja das pythonische Dogma „Und jeder nur ein Kreuz …“ für eine Wahl. Gegebenenfalls sind auch zwei Wahlen auf einem Zettel (bspw. Wahl für einen Direktkandidaten und Wahl für die Liste wie bei der Bundestagswahl).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei der Wahl zum Kreistag und zum Gemeinderat hat man in Niedersachsen drei Stimmen. Und die kann man halt kumulieren und panachieren. Kumulieren heißt nichts anderes, als alle drei oder auch nur zwei Stimmen einer Liste oder einer Person zu geben. Panachieren ist die Verteilung der Stimmen auf verschiedene Listen oder Personen. Also eine Stimme für Herrn A, eine Stimme für Frau B und eine Stimme für die Partei „Befreit den Nordpol vom Packeis“.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das bedeutet, man sitzt vor einem möglicherweise sehr dicken Stapel etwa zeitungsgroßer Stimmzettel und zählt diese aus. Nicht MoPo-Format. Das wäre ja noch nicht viel. Der Zettel ist deutlich größer. Etwas kleiner als das Nordische Format, also „Die Zeit“ beispielsweise. Weil man auch drei Kreuze bei einer Liste oder einem Kandidaten machen kann, gibt es bei jedem dieser Einträge drei Kreise für die Kreuze. Und diese Kreise sind nicht eben groß. Man muss höllisch aufpassen, dass sich da nicht noch ein viertes, fünftes oder wasweißichstes Kreuz irgendwo versteckt. Nach 200 dieser Zettel wird’s zäh. Nach 300 Zetteln anstrengend.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber was jammere ich: Ich musste mir wenigstens nicht mit völliger Ernsthaftigkeit Papierschnitzel angucken, die von Lochkarten herunterhingen.&lt;sup id=&quot;fnref:6&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:6&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;5&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Es geht immer noch deutlich schlimmer. So schlimm, dass ich schon wieder davon schreibe, dass ich mich damit nicht auseinandersetzen musste.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;du-hast-drei-stimmen&quot;&gt;Du hast drei Stimmen&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Ich hätte da einen Hinweis: In Niedersachsen gilt, dass ein nicht gemachtes Kreuz eine verschenkte Stimme ist. Ein Kreuz meinetwegen bei der Partei „Bündnis bibeltreuer Anarchisten“ bedeutet genau das. Ein Kreuz, eine Stimme, zwei Stimmen verfallen. Der Stimmzettel ist nicht ungültig. Das wird er erst bei null Kreuzen oder mehr als drei Kreuzen.&lt;sup id=&quot;fnref:7&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:7&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;6&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber das ist – man verzeihe mir den Ausdruck – die wohl unfreiwilligste Art, einer anderen Partei einen Vorsprung zu geben, wenn das Verfallenlassen nicht die Intention des Wählers war.  Man kann das machen. Aber man sollte sich der Konsequenzen bewusst sein, wenn man Stimmen verfallen lässt. Ob das wirklich der Wille ist, den man als Wähler ausdrücken möchte. Wir haben von Gesetzes wegen genau eine Möglichkeit, das zu zählen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Drei Kreuze zu machen sollte eigentlich immer gehen.&lt;sup id=&quot;fnref:9&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:9&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;7&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Zur Not halt alle Stimmen für einen Kandidaten. Ihr habt drei Stimmen. Nutzt sie. Ich habe mir vorgenommen, das beim nächsten Mal in fünf Jahren jedem kurz zu sagen.&lt;sup id=&quot;fnref:10&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:10&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;8&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; So im Sinne von „Sie haben drei Stimmen. Bedenken Sie, dass wir stur Kreuze zählen. Ein Kreuz, eine Stimme. Zwei Kreuze, zwei Stimmen. Drei Kreuze, drei Stimmen.“&lt;sup id=&quot;fnref:11&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:11&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;9&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Ich hege nämlich die Vermutung, dass diese Spezialität des Wahlrechts nicht jedem bekannt ist. Aber das ist ja meines Wissens erst 2031 wieder so weit. Viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;nächstes-mal&quot;&gt;Nächstes Mal&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Ich schrieb ja schon „nächstes Mal“. Nächstes Jahr ist Landtagswahl. 2029 sind sowohl die nächste Bundestagswahl als auch die Europawahl. Wobei ich mir bei Ersterer momentan nicht so sicher bin, dass das noch so weit in der Zukunft liegen wird. Es gibt da so ein unbestimmtes Grummeln in der Magengegend, dass spätestens 2028 eine Neuwahl anstehen wird. Ich werde definitiv dabeibleiben und auch dann zusagen, dass ich bei der Wahl helfen werde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jetzt ist allerdings erst mal die Stichwahl. Ich werde in knapp zwei Wochen wieder viele Stunden auf einem viel zu kleinen Stuhl hinter einem viel zu kleinen Tisch sitzen. Ich hoffe, dass ich mir nächstes Mal wieder den großen Stuhl greifen kann. Ich habe mir schon überlegt, wie ich dann die Liste führen werde, um Fehler zu vermeiden. Vielleicht notiere ich einfach die vorgelesene Wählernummer auf einem Schmierblatt. Als zusätzliche Kontrolle.&lt;sup id=&quot;fnref:12&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:12&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;10&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;postscriptum&quot;&gt;Postscriptum&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Gespendet habe ich meine Wahlhelferentschädigung (also known as Erfrischungsgeld) wieder der &lt;a href=&quot;https://www.kindertafel.de/spenden&quot;&gt;Kindertafel Lüneburg&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum Wahlergebnis äußere ich mich nicht in diesem Artikel. Wer mich kennt, weiß, wie ich das sehe.&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Es war derselbe wie bei der Bundestagswahl. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:2&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich glaube, das letzte Mal, dass ich in einer Schule war, war zur Feier meines Abiturs. Ich habe den Horror der Elternsprechtage und Elternvertreterwahlen nicht mitmachen müssen. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:2&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:3&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ihr Wähler, ihr Wähler,&lt;br /&gt;
kommet doch rein.&lt;br /&gt;
Macht eure Kreuze&lt;br /&gt;
und werfet sie ein.&lt;sup id=&quot;fnref:4&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:4&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;11&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:3&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:5&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Es gibt quasi eine Pipeline. Vereinfacht: Wahlbenachrichtigung überprüfen und ID-Kontrolle → Wahlberechtigung anhand der Liste prüfen und abhaken → Stimmzettelausgabe → Beobachtung des Wahlraums, ob alles richtig vor sich geht (und das schließt ein, darauf zu achten, dass bei vier verschiedenen Stimmzetteln jeder Zettel in die richtige Urne gelangt). &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:5&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:6&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Hach, wer erinnert sich nicht an die „hanging chads“ floridianischer Ausprägung um die Jahrtausendwende. Es gab auch noch die Geschmacksrichtungen „dimpled“, „pregnant“ und „swinging door“. Ich wäre nach drei oder vier Stunden wahrscheinlich einfach rausgerannt und hätte „Hasch mich!“ geschrien. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:6&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:7&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wir haben keine Möglichkeit herauszufinden, welche drei deiner Kreuze du gezählt wissen möchtest. Fragen können wir dich nicht. So von wegen „geheime Wahl“. Es ist so auch in § 30a im niedersächsischen Kommunalwahlgesetz vorgegeben: „Enthält ein Stimmzettel mehr als drei Stimmen, so sind alle diese Stimmen ungültig.“ Four crosses and you’re out …&lt;sup id=&quot;fnref:8&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fn:8&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;12&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:7&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:9&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Immerhin gelten drei Kreuze als Handzeichen analphabetischer Personen, das unter bestimmten Umständen bis heute als Unterschrift gültig ist. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:9&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:10&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Notiz an mich selbst: Dran denken! &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:10&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:11&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich werde das natürlich mit dem oder der Wahlvorsteher*in meines Bezirks vorher absprechen. Ohne dessen oder deren „Okay“ mach ich erst mal gar nichts. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:11&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:12&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Auch hier wieder: „Nich ohne meinen Wahlvorsteher.“ &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:12&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:4&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ja, ich hatte am Sonntag das erste Mal dieses Jahr Spekulatius. Merkt man das? Ich muss noch auf einem Zimt-Kardamom-High sein. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:4&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:8&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ja, es gibt allerdings eine Ausnahme im selben Paragraphen: „Werden jedoch bis zu drei Stimmen für eine Bewerberin oder einen Bewerber oder mehrere Bewerberinnen oder Bewerber derselben Liste und weitere Stimmen für diese Liste abgegeben, so sind nur diejenigen für die Liste abgegebenen Stimmen ungültig, durch die die Gesamtzahl von drei Stimmen überschritten wird.“ Es bleibt also auch in diesem Fall bei drei Stimmen, auch wenn mehr als drei Kreuze auf dem Stimmzettel sind. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html#fnref:8&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 04:05:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/kommunalwahlhelfer.html</link>
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<dc:creator>joerg</dc:creator>
      
      
<category>Politik</category>
      
<category>Wahlen</category>
      
<category>personal</category>
      
<category>German</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
<item>
<title>Da steht ein Auto auf der Straße</title>
<description>Warum Rennradfahrer in parkende Autos fahren. Gedanken zur Situation und Diskussion.</description>
<content:encoded>&lt;div class=&quot;lang-switch&quot;&gt;
&lt;a class=&quot;lang-switch__link&quot; hreflang=&quot;en&quot; href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/en_dastehteinautoaufderstrasse.html&quot;&gt;in English 🇬🇧&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Ich war vor Kurzem wieder mal kurz für Pflegearbeiten auf meinem Facebook-Account. Anscheinend weiß Facebook noch, dass ich gerne Rad fahre.&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Facebook weiß anscheinend auch noch, dass ich eine gewisse Hamburg-Affinität habe. Ich habe daher eine Reihe von Artikeln in meinem Feed gesehen, die sich um Berichterstattung über Unfälle in den Vier- und Marschlanden drehen. Insbesondere um Unfälle auf einer einzelnen Straße.&lt;sup id=&quot;fnref:5&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:5&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es handelt sich dabei um die Straße, die am Deich der Elbe am nördlichen Ufer entlangläuft. Die Strecke ist wirklich toll. Ich bin sie gerne gefahren, als ich auf dem Rennrad besonders aktiv war. Problem war, dass ich von Lüneburg aus erst mal 25 km hin und 25 km zurückfahren musste. Ich hatte damals wirklich überlegt, in die Gegend zu ziehen. Vielleicht mach ich das irgendwann auch noch.&lt;sup id=&quot;fnref:16&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:16&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Weil die ganzen Marsch- und Vierlande eine tolle Gegend zum Radfahren sind. Man muss sich das so vorstellen: Die Gegend sieht teilweise so aus wie tiefstes Ostfriesland. Flach. Herrlich weiter Blick. Meine Vorliebe für so eine Gegend ist wohl genetisch eingebaut. Die höchste Erhebung ist der Deich. Aber man ist in vielleicht 20 Minuten in der Hamburger Innenstadt. Es ist Hamburger Stadtgebiet. Gerade noch plattes Land, jetzt schon IKEA Moorfleet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur gibt es da ein sehr merkwürdiges Unfallszenario. Rennradfahrer produzieren dort mit sehr hoher Regelmäßigkeit Unfälle, indem sie auf ein Fahrzeug im „stehenden Verkehr“ prallen und sich zum Teil schwer verletzen. Aus irgendeinem Grund knallen diese Radfahrer einfach in das Heck von parkenden Autos. An manchen Wochenenden passiert das nicht nur einmal. Allein 2025 kam es laut ADFC zu 26 Unfällen dieser Art.&lt;sup id=&quot;fnref:20&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:20&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Und auch dieses Jahr gab es mehrere dieser Unfälle, wie sich beim NDR beispielsweise &lt;a href=&quot;https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/zollenspieker-hauptdeich-wieder-schwerer-unfall-mit-rennradfahrer,kurzehh-3788.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/wieder-unfall-mit-rennradfahrer-am-elbdeich,kurzehh-3956.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; nachlesen lässt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun gibt es in Facebook eine Reihe von Pseudo-Nachrichtenkanälen, die in der im Internet mittlerweile leider üblichen „Wahnwitzifizierung“ darüber schreiben. „Wann hört dieser Wahnwitz auf“ oder so ähnlich. Ragebait und Clickbait-Überschriften sind allerdings wohl normales Handwerkszeug der schreibenden Zunft, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu bekommen. Tribut an die moderne Aufmerksamkeitsökonomie, mit der jeder versucht, irgendwie Engagement zu generieren. Seufz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das eigentlich Katastrophale ist dann aber die Diskussionskultur, die ihr Gesicht unter solchen Artikeln zeigt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aus dem Vorschlag des Hamburger ADFC, ein „Halteverbot am Elbdeich“ einzurichten, wurde in der Diskussion schnell die Behauptung, dass der ADFC ein „Fahrverbot für Autos“ fordert oder bald fordern wird. Das wollte der ADFC allerdings gar nicht. Dennoch wirkte der Vorschlag wie ein Brandbeschleuniger in dieser Diskussion. Ich möchte hier auf zwei Stellungnahmen des ADFC verlinken, zum einen &lt;a href=&quot;https://hamburg.adfc.de/pressemitteilung/unfaelle-am-deich-wenn-appelle-nichts-bringen-muessen-politik-und-polizei-handel&quot;&gt;Unfälle am Deich: Wenn Appelle nichts bringen, müssen Politik &amp;amp; Polizei handeln&lt;/a&gt;, zum anderen &lt;a href=&quot;https://hamburg.adfc.de/artikel/stellungnahme-zur-pressemitteilung-unfaelle-am-deich&quot;&gt;Stellungnahme zur Pressemitteilung Unfälle am Deich&lt;/a&gt;. Die Vorschläge sind allerdings bereits von &lt;a href=&quot;https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/innenbehoerde-lehnt-pkw-halteverbot-am-elbdeich-in-vierlanden-ab,adfc-136.html&quot;&gt;der Innenbehörde abgelehnt worden&lt;/a&gt;.&lt;sup id=&quot;fnref:19&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:19&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;5&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich möchte da einige Dinge mal erklären.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;die-besonderheit-der-situation&quot;&gt;Die Besonderheit der Situation&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Um zu verstehen, was dort passiert, muss man eine Besonderheit der Straße kennen. Wenn man an der Elbe dort spazieren gehen möchte, fährt man an den Rand und stellt das Auto dort ab. Das Auto steht dort also erst einmal auf der Straße. Die Straße ist nicht sehr breit, aber dass das eine mehrere kilometerlange Engstelle ist, wäre auch übertrieben. Mit zwei Pkw kann man sich da sehr gut begegnen, ohne auch nur ansatzweise ins Schwitzen zu geraten.&lt;sup id=&quot;fnref:12&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:12&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;6&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die parkenden Autos können auch kaum woanders hin. Auf der einen Seite ist stellenweise Gehweg, oft aber auch nur einfach die Inlandsseite des Deichs. Auf der anderen Seite geht es erstaunlich weit den weiteren Deich runter. Auf der Straße zu bleiben ist sinnvoll. Auch zum Parken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was es noch seltsamer macht: Die Gegend sieht so aus, als wäre sie kurz vor den Toren der Stadt. Man weiß, man ist nahe der Stadt. Aber sie sieht nicht so aus, als wäre man schon in der Stadt Hamburg. Die Straße sieht so aus, als wäre sie außerorts. Und auf einer vorfahrtsberechtigten Straße darf ich außerorts nicht parken. Schon richtig. Nur: Diese Straße ist hinter dem Hamburger Ortsschild. Und damit ist es „innerorts“. Nach &lt;a href=&quot;https://maps.app.goo.gl/A9iADCHpeeNF5NbZ8&quot;&gt;diesem Schild&lt;/a&gt; kann ich noch fast 29 km diese Deichstraßen entlangfahren, ohne dass es auch nur ansatzweise nach Stadt aussieht. Trotzdem bin ich rechtlich „innerorts“. Und damit darf ich dann auf der Straße parken.&lt;sup id=&quot;fnref:14&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:14&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;7&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und hier entsteht der Konflikt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Um das mal zu zeigen: Das sieht dann ungefähr so aus wie auf diesem &lt;a href=&quot;https://maps.app.goo.gl/9UUrywdrJC3vXhT26&quot;&gt;Bild (Google Streetview)&lt;/a&gt;, am Straßenrand steht ein Auto und parkt. Irgendwo in der Nähe ist dann meist der oder die Fahrerin nebst Begleitung und möglicherweise Hund. Weil die Gegend ist auch für Hunde wirklich schön.&lt;sup id=&quot;fnref:23&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:23&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;8&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Manchmal steht das Auto vorbildlich wie hier direkt am Rand, manchmal aber auch etwas weiter in der Straße. Macht aber keinen Unterschied, die Straße ist unter keinen Umständen so weit, dass neben einem geparkten Auto sich noch zwei Autos begegnen können.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;wie-entsteht-das-problem-eigentlich&quot;&gt;Wie entsteht das Problem eigentlich?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Es gibt dazu eine Reihe von Hypothesen, von denen ich zwei für realistisch halte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die erste – und einfachere – Hypothese ist, dass die Leute mit gesenktem Kopf möglichst aerodynamisch nur auf ihren Fahrradcomputer gucken und dabei dann übersehen, dass da ein Auto steht. Und ich glaube das sofort. Ich habe Leute mit dem Telephon in der Hand in Laternen laufen sehen. „Goooill – 600 Watt getreten“, und kurze Zeit später trifft der Rettungswagen oder Hubschrauber ein. Zum berechtigten Verdruss der Anwohner, die zur Ersten Hilfe eilen und sich dabei denken: „Schon wieder?“&lt;sup id=&quot;fnref:13&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:13&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;9&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Es ist ein Problem. Und daher finde ich Aktionen wie &lt;a href=&quot;https://www.polizei.hamburg/kopf-hoch--1182708&quot;&gt;„Kopf Hoch“&lt;/a&gt; auch sehr sinnvoll und notwendig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die andere Hypothese ist etwas komplizierter: Im Grunde ist es eine Erweiterung der ersten Hypothese und erklärt vielleicht ein bisschen, warum der Kopf unten bleibt. Die Leute wissen ja haargenau, dass man nach vorne guckt. Warum tun sie es dann nicht? Die Welt prasselt auf uns ein. Durch all unsere Sinnesorgane. Damit unser bewusstes Denken damit zurechtkommt, kommt dort eine vorverarbeitete Version an. So funktionieren optische Täuschungen. Wie ich schrieb, parken die Autos von Spaziergängern mitten auf der Straße. Die Hypothese ist jetzt, dass das Gehirn ein Auto mitten auf der Straße sieht und oft die Nachricht „Da &lt;em&gt;fährt&lt;/em&gt; ein Auto auf meiner Straßenseite“ ans bewusste Denken sendet. Da Autos meist schneller sind und man das Heck auf seiner eigenen Straßenseite vor sich hat, sieht das Gehirn keine Gefahr, und im normalen Stadtverkehr stimmt das ja auch. Das Auto bewegt sich ja gedanklich von mir fort. Nur ist halt das Parken an dieser Straße eben kein normaler Stadtverkehr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Gehirn unterdrückt die Gefahr, und das nächste Mal, wenn das Hirn sich damit befasst und bemerkt „Oh, shit, das Auto wird ja größer“, ist es dann höchste Zeit, und abhängig von der Geschwindigkeit kann es dann zu spät sein zu reagieren. Auch das kann ich mir vorstellen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dazu kommt noch, dass man beim Rennradfahren oft in den Drops fährt, nach vorne gebeugt. Der Blick ist nicht ständig nach vorne gerichtet, sondern eben auch häufig nach unten. Das ist an sich kein Problem. Nur: Wenn ich auf einem Hollandrad fahre, ist mein Blick ständig nach vorne gewandt. Ich habe viele Gelegenheiten zu merken, dass das Auto steht. Jetzt gucke ich meinetwegen nur alle 5 Sekunden nach vorne. Das wäre ein Extrembeispiel. Wenn ich in den Drops fahre, pflege ich eine Art adaptives Modell …. sehe ich Gefahren, gucke ich ständig nach vorne … Nackenmuskulatur be damned. Und ich weiß durch Gespräche mit anderen Radrennfahrern, dass sie es eigentlich recht ähnlich halten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Argument ist ja auch verständlich. Wenn, so weit ich blicken kann, keine Gefahr besteht, dann ist es keine völlig falsche Annahme, dass sich bei Fahrradgeschwindigkeit in den nächsten 5 Sekunden nichts daran ändern wird. Außerdem muss man als Radfahrer ohnehin sein Augenmerk auf den Straßenbelag haben …. ein Schlagloch, das die Luftfederung des Autos einfach wegschluckt, kann bei einem Rad einen Sturz zur Folge haben. Dann ist da auch noch das ganze Thema Scherben, Kleinstunrat und Ähnliches im Spiel. Ich habe praktisch ständig zwischen dem Scannen der Straße „weit voraus“ und „knapp vor mir“ gewechselt.&lt;sup id=&quot;fnref:24&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:24&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;10&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Sehe ich ein Auto 1 Minute vorher am Straßenrand (die Gegend ist wirklich flach), dann habe ich 12 Gelegenheiten, diese Fehlwahrnehmung zu durchbrechen. Fahre ich 30 km/h, sind das 500 Meter. Das ist weit weg. Keine Gefahr. Das ignoriert man im Kopf erst mal. Man kann auch schlecht erkennen, ob sich das Auto bewegt oder steht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber mit jeder Sekunde komme ich dem Auto 8 Meter näher. 40 Meter zwischen den Blicken. Ich denke, realistisch wird das als mögliche Gefahr so 20 Sekunden vorher wahrgenommen. Da verbleiben 4 Blicke bis zur Heckklappe des parkenden Autos, wenn man keine adaptive Blickfrequenz nutzt. 160 Meter. Die Differenzgeschwindigkeit ist dort auch nicht hoch. Man darf als Auto dort nur 50 fahren. Das Auto entfernt sich also nur mit 20 km/h. Ein sehr gut trainierter Radfahrer kann dort mit ein wenig Anschub vom Wind auch locker 40 km/h erreichen. 10 km/h Geschwindigkeitsdifferenz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich halte es für sehr realistisch, dass es hier zur Fehlwahrnehmung kommt, das Auto würde fahren, während es in Wirklichkeit steht. Der Kopf schaltet nicht auf Gefahr, die Blickfrequenz wird nicht angepasst. Es fehlt der Trigger „Gefahr“. Oder er kommt einfach nicht im bewussten Denken an. Nicht absichtlich. Nicht, weil man das nicht wüsste. Der Trigger wird aus irgendeinem Grund ausgefiltert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jeder Blick ist nur kurz. Gerade kurz genug, um das bestehende mentale Modell „Da fährt ein Auto“ zu bestätigen, aber bei Weitem nicht genug, um das mentale Modell „Da fährt ein Auto“ zu durchbrechen und durch „DA STEHT EIN AUTO!!!“ zu ersetzen. Auf dem Hollandrad starrt man eigentlich die ganze Zeit direkt nach vorne, und das Modell hat in Ruhe Zeit, sich zu entwickeln; es kommt nicht so darauf an, dass man öfter schaut, sondern dass man länger schaut.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man muss dazu aber auch sagen, dass die 4 Blicke so gut wie immer völlig ausreichen. Aber manchmal eben auch nicht. Und das endet dann in der Zeitung.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;universelles-problem&quot;&gt;Universelles Problem&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Das Problem ist übrigens auch technisch nicht einfach zu lösen. Als ich das erste Mal von diesem Problem las, dachte ich in der ersten Sekunde „Naja, es gibt Radarrücklichter, die mich vor Autos von hinten warnen. Sowas nach vorne wäre praktisch“. Denkt man dann allerdings eine zweite Sekunde nach, fällt auf, dass ein Radarrücklicht zur Erkennung von sich gefährlich von hinten nähernden Fahrzeugen und ein Frontlicht zur Erkennung eines baldigen Einschlags in eine Heckscheibe eines stehenden Fahrzeugs zwei völlig unterschiedliche Probleme sind.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein Radarrücklicht hat eine ziemlich einfache Aufgabe. Es gibt Objekte im Radarsignal, die sich relativ zu mir bewegen, und solche, die relativ zu mir stehen bleiben. Dazu kann ich erst mal alles ausfiltern, was sich mit der gleichen Geschwindigkeit von mir nach hinten wegbewegt, mit der ich mich nach vorne bewege. Offensichtlich stehen diese Objekte still. Damit habe ich die ganze statische Welt um mich herum auf einen Schlag herausgefiltert. In den Restsignalen filtere ich heraus, was sich von mir schneller wegbewegt, als ich mich nach vorne bewege. Diese Fahrzeuge fahren offensichtlich mir entgegengesetzt und sind schon hinter mir, also keine Gefahr. Alles, was sich im Signal scheinbar nicht bewegt, fährt mit der gleichen Geschwindigkeit wie ich, ist erst mal keine Gefahr, aber des Merkens würdig. Der Rest der Signale sind dann Fahrzeuge, die sich auf mich zu bewegen und eine Gefahr darstellen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein stehendes Auto auf einer Straße vor mir zu erkennen ist ein ganz anderes Problem. Es bewegt sich genauso wie die sonstige Umwelt (ein Laternenmast) mit der gleichen Geschwindigkeit auf mich zu, mit der ich selbst fahre. Obiger Mechanismus würde das stehende Auto einfach ausfiltern. Nicht ausfiltern geht auch nicht, weil es viele stehende Objekte um mich herum gibt. Ein solches Licht müsste die Entscheidung treffen, welches Objekt gefährlich ist und welches nicht. Es muss aus dem Kontext heraus entscheiden: Beispielsweise, ist das Objekt auf der Straße oder neben der Straße? Sicherlich ist das lösbar, Notbremsassistenten sind ein Beispiel dafür.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und selbst die hatten und haben ihre Probleme. Meine Einfahrt kann ich momentan nur mit 2 km/h befahren. Mein Notbremsassistent löst reproduzierbar an einer Stelle aus, und kein Heckenschnitt konnte das Problem beseitigen. Ich lasse Fahrgäste mittlerweile vorher aussteigen, weil die Vollbremsung doch sehr rabiat ist. Das Problem technisch innerhalb eines sinnvollen Kosten-, Gewichts- und Stromverbrauchsbudgets mit einer niedrigen False-Positive-Rate für ein Fahrrad zu lösen, dürfte enorm schwierig werden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gleichzeitig zeigt die reine Existenz des Notbremsassistenten, dass Aussagen wie „Sollen die Rennradfahrer doch besser aufpassen, dann passiert nichts!“ eine zu einfache Antwort auf ein komplexes Problem sind. Bei perfekter Aufmerksamkeit und steter korrekter Einschätzung der Situation bräuchte es keine Notbremsassistenten. Dass es sie dennoch gibt und sie seit 2024 für neue Autos vorgeschrieben sind, sagt mir, dass man mit Fehlern umgehen und akzeptieren muss, dass sie passieren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn aber schon eine Elektronik mit ihrer ungebrochenen Aufmerksamkeit und genauen Sensoren Schwierigkeiten hat, dieses Problem zu lösen, dann hat der Mensch mit all seinen Sinneswahrnehmungen und -täuschungen ein deutlich größeres Problem, diese Situation zu vermeiden. Und selbst die Elektronik mag ständig alles im Blick haben, unfehlbar ist sie nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mensch und Technik gemein ist, dass Grundlage all dieser Lösungen ist, die Welt zu filtern, um sie zu verstehen und letztlich zu reagieren. Filtert man richtig, passiert nichts. Filtert man zum falschen Moment etwas Wichtiges aus, passieren halt Unfälle. Mensch und Technik brauchen diese Filter, und die Justage ist das größte Problem. Filtere ich zu wenig aus, komme ich nicht über die Kreuzung, und mein Auto macht an der Hecke eine Vollbremsung; filtere ich zu viel, übersehe ich etwas. Das stehende Auto. Oder den querenden Fußgänger.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Du magst denken: „Ja, ich fahre jeden Tag an wer weiß wie vielen auf der Straße parkenden Autos vorbei“, und das ist sicherlich richtig. Aber in einer Wohnstraße erwartet man das, der Filter ist anders justiert. Deutlich feiner, weil man jederzeit ein Kind erwartet, das zwischen den Autos hindurchläuft. Auf einer Deichstraße, an der zwei Pkw sich problemlos begegnen können, wenn kein Auto am Rand parkt, und keine Wohnbebauung sichtbar ist, erwartet man das nicht. Der mentale Filter ist im „jwd-Landstraßenmodus“. Und das innerorts – ihr erinnert euch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und auf der anderen Seite fahren Autos auf Stauenden auf, gibt es Auffahrunfälle in Staus, werden von parkenden Autos Spiegel abgefahren. Es klappt meistens, aber eben nicht immer. Das ist beim Rennradfahrer nicht anders als beim Autofahrer.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;rennradfahrer-sind-keine-monster&quot;&gt;Rennradfahrer sind keine Monster&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe jetzt eine ganze Zeit darüber gesprochen, warum ich glaube, dass dieses Problem entsteht und dass es eine Notwendigkeit des menschlichen Wesens und seiner Fehleranfälligkeit ist, egal wie der Mensch sich fortbewegt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was mich aber wirklich stört, ist die Diskussionskultur. Ich habe manchmal in dieser Diskussion den Eindruck, dass die nichtrennradfahrende Bevölkerung uns für narzisstische Egomanen hält, die auf nichts Rücksicht nehmen und denen es egal ist, wenn sie ein Kind anfahren.&lt;sup id=&quot;fnref:15&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:15&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;11&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Ich kann sagen: Es gibt mit Sicherheit narzisstische Egomanen unter diesen. Ungefähr in der gleichen Häufigkeit wie in der normalen Bevölkerung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber: Selbst wenn man annimmt, dass Rennradfahrer egoistische Narzissten sind: Kein Rennradfahrer stürzt gerne mit dem Rad. Aus purem Eigeninteresse. Weil es weh tut. Sehr weh tut. Weil es, wenn man Pech hat, für Wochen bis Monate vom Rad holt. Straße eitert ganz schlecht raus, wenn man sich erst mal Rollsplitt in die Haut gezogen hat. Been there. Done that.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ausgerechnet die Rennradfahrer dazu auserkoren sind, in dieser Diskussion den Blofeld zu geben. Ist der MAMIL&lt;sup id=&quot;fnref:6&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:6&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;12&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; oder die MAWIL, der bzw. die den Autofahrern den mal mehr, mal weniger wohlgeformten&lt;sup id=&quot;fnref:7&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:7&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;13&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Hintern in Lycra auf dem Sattel entgegenstreckt, so etwas wie ein ausgestreckter Mittelfinger für andere Verkehrsteilnehmer? Ich weiß es wirklich nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Oder versaut es eine kleine Gruppe egomaner, rennradfahrender Idioten für uns alle? Der ich nur noch nicht in dieser Intensität über den Weg gelaufen bin? Für die ich aber trotzdem in Kollektivhaftung genommen werde?&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;gift-und-galle&quot;&gt;Gift und Galle&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Es ist dann auch wirklich Gift und Galle, die in diesen Kommentarspalten zutage kommt. Gehasst und angespien. Unter einem Verbot für Rennradfahrer für öffentliche Straßen geht da gar nichts. „Das ist ein Sport!“ …. „Die sollen auf abgesperrte Kurse gehen und im Kreis fahren“ … „Alles Idioten.“ … „Letztens hat mich so ein A… fast umgefahren“ … „Was bilden sich diese Rennradfahrer ein, wie Herr Ullrich&lt;sup id=&quot;fnref:8&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:8&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;14&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; in ihren Strampelanzügen durch die Gegend fahren“&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;aber-man-darf-doch-gar-keinen-sport-auf-der-straße-betreiben&quot;&gt;Aber man darf doch gar keinen Sport auf der Straße betreiben?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Es ist ein immer wieder gern gehörtes Argument in diesen Diskussionen. Rennräder sind Sportgeräte. Die sind nicht mal straßenzugelassen. Sport darf man nicht auf der Straße betreiben. § 31 StVO wird dann hervorgeholt! Hähä. Schachmatt. Runter von der Straße! Äh. Nein. Wie immer ist die Welt etwas komplizierter. Es gibt in der Tat diesen Paragraphen. „Sport und Spiel auf der Fahrbahn, den Seitenstreifen und auf Radwegen sind nicht erlaubt.“ Es gibt nur ein Problem damit: Rennradfahren ist kein Sport im Sinne von § 31 der StVO. Ein Rennrad ist aus Sicht der StVZO auch kein Sportgerät wie ein Ball oder ein Springseil. Hier hilft dann § 63a StVZO: „Ein Fahrrad ist ein Fahrzeug….“. Ein Rennrad ist ein Fahrrad, also ist ein Rennrad ein Fahrzeug. Und das Benutzen des Fahrzeugs ist kein Sport, sondern Fortbewegung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Paragraf § 31 ist dafür gedacht, dass auf Straßen, die dafür nicht explizit vorgesehen sind („Spielstraßen“), nicht Fußball gespielt oder meinetwegen Seil gehüpft wird. Und selbst das ist nicht so eindeutig: In Ostfriesland wird auf Straßen geboßelt, und das wird nicht von der Polizei sofort unterbunden. Un nu?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Eine öffentliche Straße, die dem Allgemeingebrauch für alle Fahrzeuge gewidmet ist (und um eine solche handelt es sich zweifelsohne bei der Straße am Elbdeich), darf von Fahrzeugen uneingeschränkt und bestimmungsgemäß zum Zweck der Fortbewegung genutzt werden. Eine Straße kann auch in einer Art und Weise gewidmet sein, die nicht dem Allgemeingebrauch dient – eine Autobahn beispielsweise. Da darf ich nicht mit dem Rad drauf. Und keiner will auf der A1 mit dem Rad fahren. Oder als anderes Beispiel der Radweg: Da darf ich nicht mit dem Auto rauf, auch wenn ich zuweilen bemerke, dass sich Autofahrer nicht sonderlich darum scheren, sofern keine Abgrenzung vorhanden ist, die das Auto hinreichend beschädigt (da scheint es dann doch Hemmungen zu geben).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mein Rennrad ist ein Fahrrad, ist ein Fahrzeug auf einer öffentlichen Straße, auf der ich mich offensichtlich fortbewege. Damit benutze ich die Straße bestimmungsgemäß und habe ein Recht, die Straße zu benutzen, unter Einhaltung der Pflichten als Verkehrsteilnehmer und mit den Rechten eines Verkehrsteilnehmers.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Relevant ist hier, dass ich mich fortbewege. Wenn ich einarmiges Stahlradstemmen auf der Straße veranstalte, ist das offensichtlich nicht gedeckt, da es keine Fortbewegung ist, auch wenn das gestemmte Gut zweifelsohne ein Fahrzeug ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass die Fortbewegung der sportlichen Ertüchtigung dient, ist ein Motiv für die Fortbewegung, aber danach fragt das Gesetz nicht. Wir sind wemauchimmerseidank nicht in einem Staat, in dem ich mich erklären müsste, warum ich von A nach B fahre – auch wenn A und B möglicherweise der gleiche Ort sind.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Einem Polizisten, der mich beim Rad- oder Autofahren fragen würde, warum ich nach B fahre, würde ich sicherlich entgegnen, dass ihn das nichts angeht. Jemandem zu verbieten, sich ohne Grund fortzubewegen, würde aber darauf hinauslaufen, dass ich der Polizistin sagen müsste, wohin ich fahre (was stimmen mag oder auch nicht), um mich nicht dem Verdacht der Fahrt ohne Ziel auszusetzen. Da sind wir dann wirklich weit über die Grenzen meines Grundrechtsverständnisses hinaus (siehe Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz). Eine solche Verordnung wäre mithin undurchsetzbar. Und eine undurchsetzbare Verordnung kann ich mir sparen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Würde man der Argumentation „Rennrad = Sport = nicht erlaubt“ folgen, dürfte ich auch auf einem Gehweg keinen Spaziergang machen, da dieser der Ertüchtigung dient und nicht dem Zweck einer Zielerreichung – spätestens dann, wenn man zum Überqueren eine Straße betritt, denn dann ist man vom Gehweg (auf dem das erlaubt ist) auf die Straße (auf der das nach der Lesart nicht erlaubt wäre, da es sich um Sport handelt) getreten. Eine Radtour auf dem Touren-E-Bike durch die unzweifelhaft schönen Vierlande wäre ebenso wenig erlaubt, weil sie ja nicht einer Zielerreichung dient, sondern dem persönlichen Erfreuen an den Schönheiten dieses Teils von Hamburg.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wobei … obacht! Rennradfahren im Pulk (und damit meine ich hoch zweistellig und beginnend dreistellig) ist eine Sportveranstaltung, und die ist wiederum genehmigungspflichtig, wenn sie auf öffentlichen Straßen stattfindet. Aber die Unfälle passierten nicht in solchen Pulks. Und ich rede nicht von solchen Veranstaltungen. Es waren Einzelfahrer oder sehr kleine Gruppen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und das immer wieder gehasste Nebeneinanderfahren? Ist rechtlich einwandfrei. Denn die StVO führt in § 2 Abs. 4 Satz 2 aus: „Mit Fahrrädern darf nebeneinander gefahren werden, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird; anderenfalls muss einzeln hintereinander gefahren werden“.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Behindert heißt hier nicht „existieren im selben Raumzeit-Kontinuum auf der Straße“ oder „ich musste bremsen“, sondern beispielsweise „man kann sie aufgrund der Enge der Straße nicht überholen“. Und § 27&lt;sup id=&quot;fnref:18&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:18&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;15&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; im gleichen Gesetz gibt vor, dass ich mit mehr als 15 Radfahrern (also ab 16) einen Verband bilden kann. Für den gilt dann die Einschränkung hinsichtlich Behinderungen nicht. Das Nebeneinanderfahren hängt dann nicht mehr an der Behinderungsfrage, der Verband gilt als ein Fahrzeug. So wie ein Leichenzug.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Übrigen gibt es einen guten Grund für das Nebeneinanderfahren. Es ist weder Trotz noch „Mir doch egal“. Es verhindert recht zuverlässig das Vorbeiquetschen, wenn sich zwei Autos begegnen. Und damit ist es potenziell sicherer für die Radfahrer.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und das Argument mit dem „die sind ja gar nicht für die Straße zugelassen, diese Rennräder“? Man könnte jetzt spitzfindig sagen: warum auch, es gibt keine Zulassung für Fahrräder. Ich weiß aber, worauf die Leute hinauswollen. Es sind die Ausstattungsanforderungen der StVZO: Glocke, zwei unabhängige Bremsen, Beleuchtung und Rückstrahler. Ich bin mir sicher, dass zumindest die Rückstrahler oft bei Rennrädern fehlen. Der Punkt ist: Das Fehlen macht aus dem Rennrad kein Sportgerät, es bleibt ein Fahrzeug, dem vorgeschriebene Sicherheitseinrichtungen fehlen. Dafür kann man sich zwar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einfangen, aber man verliert dadurch keine Rechte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und jetzt mal ernsthaft: Gehen wir mal davon aus, dass das Rad nichts hat außer einem Satz Bremsen. Ließe sich ein parkendes Auto durch eine Klingel beeindrucken, verschwände der Wagen, wenn Reflektoren … ääh … reflektieren. Das alles hat mit dem Unfallmodus in den Vierlanden nichts zu tun.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;alles-verbieten&quot;&gt;Alles verbieten&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich stehe besonders der Forderung nach Verboten sehr negativ gegenüber. Rennradfahrer haben genauso wie jeder andere Verkehrsteilnehmer das Recht, diese Straße zu nutzen, auch in der von ihnen gewünschten Geschwindigkeit. Solange – und das ist die wichtige Einschränkung – sie sich an § 1 der StVO halten. Gleiches gilt für Autofahrer. Jeder, der irgendeiner anderen Gruppe etwas verbieten will, sollte sich darüber im Klaren sein, wie rutschig diese schiefe Ebene werden kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aus meiner Sicht sind Gesetze dafür da, nicht blind einer Gruppe etwas zu verbieten, um einer anderen Gruppe das Leben einfach zu machen oder Dinge aus der Welt zu schaffen, die eine Gruppe nicht mag. Sie sind dazu da, das Zusammenleben zu ordnen. Und wenn man schon Regeln dafür einführen will, über das hinaus, was wir schon haben, sollte der Maßstab eben nicht Verbot sein, sondern zu gucken: Gibt es einen Weg, mit dem beide glücklich sind? Kompromiss. Etwas, mit dem beide Seiten leben können. Weder reine Autostraße noch reiner überdimensionierter Radweg. Etwas dazwischen. Aber manche Menschen lieben es, im Kokon der eigenen Rechte zu leben, wenn Verbote nur andere Menschen betreffen. Das ist etwas, was ich leider sehr oft in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke erlebe, wenn ich sie dann mal benutze.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;zweierlei-maß&quot;&gt;Zweierlei Maß&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Was mich an diesen Diskussionen ein wenig nervt, ist das unterschiedliche Maß, mit dem die Situation betrachtet wird. Und das ist vielleicht das Erste, was wir in dieser Diskussion vom Tisch nehmen müssen. Es gibt dort häufig den Anwurf, die Radfahrer würden viel zu schnell fahren, sie wären unaufmerksam und würden rumpöbeln, wenn man sie auf ihre Fehler aufmerksam macht. Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist dann: Und wo genau unterscheidet sich das nun vom heutigen Straßenverkehr zu Fuß oder mit dem Auto?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das soll jetzt kein tu quoque werden … sozusagen das ad hominem über Bande gespielt. Rennradfahrer sind nicht unschuldig, weil andere es ja auch machen. Ein ganzes Auto zu übersehen, ist zwar erklärbar, bleibt aber trotzdem ein unnötiger Unfall. Aber alle Verkehrsteilnehmer sollten auch sich selbst angucken, ob es nicht eine gemeinsame Fehlerursache, den Root Cause, gibt, die allgemein zu den Unfällen führt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Kurz bevor ich mich an einer solchen Diskussion auf Facebook beteiligte, war in Hamburg die Speedweek. Flächendeckende Tempokontrollen. In einer Woche gab es in Hamburg 4000 Tempoverstöße. Aha, Rennradfahrer fahren viel zu schnell. Okay. Ist ne Sichtweise.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt bei der Polizei eine Statistik zu den Unfällen in Hamburg: &lt;a href=&quot;https://www.polizei.hamburg/resource/blob/1148740/8e2d9dd3f040948c76ffcdfd72434d45/vksb-handout-do-data.pdf&quot;&gt;https://www.polizei.hamburg/resource/blob/1148740/8e2d9dd3f040948c76ffcdfd72434d45/vksb-handout-do-data.pdf&lt;/a&gt;. Ich muss hier ein paar Annahmen treffen, und an dieser Stelle hakt es möglicherweise. Auffahrunfälle sind so ein klassischer Unaufmerksamkeitsunfall. Diese sind meines Wissens in der Statistik unter „Geschwindigkeit und Abstand“. Man hält aus Unaufmerksamkeit den Sicherheitsabstand nicht ein. Man guckt nicht auf die Straße. Sieht das vorher fahrende Auto nicht halten. Um sich mal zu vergegenwärtigen, was allein auf Hamburger Straßen jeden Tag los ist: 64.310 Unfälle im Jahr. 176 Unfälle jeden Tag, die der Polizei gemeldet werden. Parkrempler, die mit Austausch der Kontaktdaten, aber ohne blau-weiße Unterstützung geregelt werden, sind da noch nicht mal drin. 15 % der gemeldeten Unfälle sind aus jenem Bereich „Geschwindigkeit und Abstand“. Auch das ist eine ganze Menge. 9646 Unfälle. 26 pro Tag. Ich möchte hier einmal die Behauptung aufstellen, dass viele dieser Fahrer nicht auf ihren Bordcomputer geguckt haben, sondern schlicht auf ihr Mobiltelephon. Aha, Rennradfahrer fahren also unaufmerksam. Okay. Ist eine Sichtweise.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und wie häufig ich schon Ein-Finger-Salute und andere unfreundliche Unmutsbekundungen von Autofahrern gesehen habe, wenn ich auf einer Straße fuhr, auf der ich definitiv fahren durfte (und auch nirgends anders fahren konnte) … ich glaub, die Zahl ist zweistellig. Anfangs habe ich mich noch drüber aufgeregt. Heute akzeptiere ich es als Mobilitätsnormalität. Gestern erst habe ich beim Spaziergang mit dem Hund einen Autofahrer beobachtet, der jemanden angepöbelt hat, weil dieser nicht weit genug vorgefahren ist beim Abbiegen.&lt;sup id=&quot;fnref:10&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:10&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;16&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Aha. Rennradfahrer pöbeln also rum. Okay. Ist eine Sichtweise.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Worauf ich hinaus will, und da bin ich bei der gemeinsamen Komponente, dem Root Cause: Ich sehe einen zunehmenden Verfall der Fähigkeit in allen Kategorien der Verkehrsteilnahme, sich partnerschaftlich zu verhalten. Es scheint nur aus einem Grund die Kritik auf Rennradfahrer zu konzentrieren. Und das ist die eigentliche Frage: Warum fällt das bei Rennradfahrern besonders auf, warum stehen diese besonders in der Kritik, warum will man gerade diesen mit Verboten an ihr Hobby, wenn die gleichen Phänomene flächendeckend überall zu finden sind? Und da sind wir aus meiner Sicht bei einer Wahrnehmungsverzerrung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf der anderen Seite ist es auch nur eine Untergruppe von Autofahrern, die wirklich „fahrradfahrergefährdend“ fahren, bei denen gefährliche Situationen nicht mehr wie Fehler wirken. Ich sehe sehr viele Autofahrer, die mit reichlich Abstand an mir vorbeifahren. Ich sehe sehr viele Autofahrer, die mir auch als Radfahrer die Vorfahrt lassen, wo sie mir zusteht, und mich nicht einfach übersehen. Das Feindbild, das Radfahrer von Autofahrern haben, geht meines Erachtens ebenso am Thema vorbei. Es sind auch nur Menschen, die Fehler machen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;der-oder-die-böse-böse-rennradfahrerin&quot;&gt;Der oder die böse, böse Rennradfahrer/in&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Warum aber entlädt sich der Zorn bei den Rennradfahrern? Ich glaube, dass sich hier eine Art Feindbild aufgebaut hat. Es geht ja nicht mal um alle Radfahrer. Fährt jemand auf seinem oder ihrem Riese &amp;amp; Müller-Rollsofa&lt;sup id=&quot;fnref:9&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:9&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;17&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; durch die Gegend, scheint das irgendwie okay zu sein. Nein, es geht hier in diesem Feindbild rein um Rennradfahrer und vielleicht noch um Mountainbikefahrer. Man hört in solchen Diskussionen dann häufig „Aber mich hätte beinahe ein Rennradfahrer über den Haufen gefahren“ oder „Ich habe einen Rennradfahrer durch eine Unfallstelle fahren sehen“.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zunächst einmal. Ich stelle nicht in Abrede, dass es echte Idioten unter den Rennradfahrern gibt, ich bin mir da sogar sehr sicher, dass es sie gibt, weil es sie in jeder Gruppe gibt. Zudem vertrete ich die „Jeder ist ein Idiot – für einen kurzen Moment“-Hypothese. Wenn sich jeder für 5 Minuten pro Jahr im Verkehr wie ein Idiot verhält (Unaufmerksamkeit, Eile, was weiß ich), dann ist die Wahrscheinlichkeit bei 80 Millionen Bundesbürgern sehr hoch und einer fast genauso hohen Anzahl Verkehrsteilnehmer&lt;sup id=&quot;fnref:2&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:2&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;18&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;, dass ich zu jedem meiner Momente im Verkehr einen Idioten in meiner Nähe habe. Und wenn ich keinen Idioten bemerke, sollte ich ganz stark überlegen, ob ich gerade meine 5 Idioten-Minuten habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich glaube auch, dass selten die ganze Geschichte erzählt wird. „Mich hätte beinahe ein Rennradfahrer über den Haufen gefahren“. Wie ich schrieb, Rennradfahrer sind sich ihrer Vulnerabilität sehr bewusst. Die wollen einen nicht absichtlich über den Haufen fahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man stürzt nicht zum Spaß.&lt;sup id=&quot;fnref:4&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:4&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;19&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Die Frage ist also, was an der Geschichte fehlt. Was ich beispielsweise beobachtet habe: dass andere Verkehrsteilnehmer einfach auf die Straße getreten sind, während man gerade mit dem Rennrad dieselbe runterfährt, und es bleibt einem nichts anderes, als fluchend zu versuchen, die Situation zu retten. Ein Tourenradfahrer mit Motorunterstützung biegt ohne Anzeige per Handzeichen ab, während man gerade die Straße geradeaus weiterfahren will. Ein Autofahrer übersieht einen völlig, und man muss den dünnen Fluchtweg zwischen „fluchen und weiterfahren“ und „auf der Straße stöhnend liegen“ finden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich glaube, dass in solchen Geschichten oft konsequent das eigene Fehlverhalten eine nicht unerhebliche beitragende Komponente ist. Warum? Weil aufmerksames Verhalten einer Person oft dazu führt, dass unaufmerksames Verhalten einer weiteren Person ausgeglichen wird. Ich rechne als Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger damit, dass andere Menschen unaufmerksam sind, und verhalte mich entsprechend. Genauso hoffe ich, dass die mich umgebenden Menschen genau die gleiche Aufmerksamkeit an den Tag legen, sodass ich auch mal einen Fehler machen kann, was letztlich zwangsläufig ist. Als Radfahrer rechne ich damit, dass jemand einfach die Tür aufmacht, ohne zu gucken. Als Autofahrer rechne ich damit, dass jemand einfach auf die Straße tritt, wenn Leute nah an den Bordstein treten. Genauso wie ich als Fußgänger davon ausgehe, dass mich ein Radfahrer möglicherweise nicht gesehen hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es ist schwierig, eine eindeutige Schuld zu finden, wenn einen ein Rennradfahrer fast umfährt, man aber gleichzeitig auf die Straße getreten ist. Es ist schwierig, eine eindeutige Verantwortung zu finden, wenn man beinahe einem anderen Radfahrer ins Rad fährt, dieser aber beim Überholen ohne Richtungsanzeige durch den eigenen Weg fährt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Daher glaube ich oft, dass bei brenzligen Situationen die eigene Unaufmerksamkeit eine Mitursache ist: Ein Rennradfahrer fährt vielleicht wirklich übel schimpfend an einem Fußgänger vorbei. Das machen die meistens aber nicht, weil sie einen Pöbelzug durch die Vierlande machen, sondern weil ggf. eben ein anderer Radfahrer nicht die Spur halten kann oder ein Fußgänger unaufmerksam den Weg quert. Alles schon selber gesehen. Und, zu meiner Schande gestanden: auch schon selber gemacht. Und ich habe auch schon einem Radfahrer hinterhergerufen, was ich von seinen Lenkfähigkeiten halte. Und einem Fußgänger Tomatenbewuchs auf seinen Augen attestiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mir fehlt ein bisschen das Verständnis für den Hass, der in diesen Foren hochkommt: Der körperlich Leidtragende ist in der Hauptsache der Radfahrer selber, alles andere sind Sachschäden, die die Haftpflicht des Radfahrers ersetzt. Ja, man kann berechtigt genervt sein als Anwohner. Aber dieser Hass?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn euch das zu rennradfahrerfreundlich ist, möchte ich euch um ein Gedankenspiel bitten: Schließt die Augen. Stellt euch vor, ihr sitzt in einem Auto und wollt ausparken. Es ist Samstagvormittag. Ein beliebiger Supermarktparkplatz in Deutschland. Meinetwegen auch der Parkplatz eines Baumarkts. Gleiche Herausforderung. Haltet vor eurem inneren Auge die Fußgänger im Blick. Ist es euch schon mal aufgefallen, wie leichtfertig die Leute auf dem Weg zum Laden hinter etwa 2 Tonnen ausparkenden Stahl treten? Diese Menschen sind oft im Stress. Unter Zeitdruck. In ihren Gedanken. Formal „Vorfahrt“ haben die Fußgänger nicht. Autofahrer sind auch zu besonderer Vorsicht verpflichtet. Und wenn man rückwärts fährt, ist eine Gefährdung anderer auszuschließen. Aber das ist eigentlich kein Freibrief für Unvorsichtigkeit. Zumindest war’s nicht so gedacht. Und sollte es auch nicht sein. Was nützt es, wenn man vielleicht im Recht ist, dafür aber mit gebrochenen Knochen auf die Sanitäter wartet?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ohne dass zwei aufpassen, damit einer auch mal einen Fehler machen kann, wäre meiner Beobachtung nach der übliche Supermarktplatz ein Gemetzel, zu dem man einen RTW gleich fest abordnen kann. Dass es nicht so ist, liegt eben daran, dass zwei aufpassen. Ohne das funktioniert der Verkehr in seiner heutigen Dichte nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Um wieder an den Deich und die Vierlande zu kommen: Das gilt auch, wenn ich auf einem Weg von der linken zur rechten Seite gehe, weil sich so viele interessante Dinge am Wegesrand befinden, oder ich mich in einer wild wuselnden Gruppe angeregt unterhalte und die Umwelt vergesse. Vielleicht ist der Gefühlsausbruch ein ganz klein wenig verständlich, wenn der Radfahrer in einer solchen Situation „voll in die Eisen“ gehen muss, was auf einem Fahrrad seine eigenen Gefahren hat.&lt;sup id=&quot;fnref:22&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:22&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;20&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Es ist der gleiche Gefühlsausbruch, der einen durchfährt, wenn jemand beim Ausparken doch noch den Einkaufswagen durch die kaum wagenbreite Lücke zum dahinterstehenden Auto pressen möchte, der Wagen fiept und der Notbremsassistent den Anker auswirft. Den Gefühlsausbruch des Autofahrers schluckt die verschlossene Autotür. Jenen des Radfahrers hört man.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;dat-is-allens-al-dor&quot;&gt;Dat is allens al dor!&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Wenn sich beide Seiten daran halten und aufeinander Acht geben, ist, glaube ich, schon mal eine Vielzahl von Unfällen aus dem Weg geräumt. Es gibt natürlich eine nicht unerhebliche Anzahl von Unfällen, bei denen eine Person so eklatant gegen die Regeln verstößt, dass ein Ausweichen nicht mehr möglich ist. Aber es sind nicht alle Unfälle so.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ja, man kann fordern: „Ja, müssen Radfahrer halt vom Tempo runter, sobald jemand anders da ist“. Ja, können wir so machen. Mach ich sofort mit. Ja, ehrlich. Wenn es für alle gilt. Runter auf Schritt, sobald man jemanden sieht. Auch für Autos.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber eigentlich haben wir etwas viel Besseres: StVO § 1 „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Und das gilt für jeden. Den Rennradfahrer, den Fußgänger, den Touren-E-Bike-Fahrer, den Autofahrer. Und wenn sich jeder mal aus seiner Bubble erheben und genau diesen Paragraphen beachten würde, wären wir schon sehr viel weiter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Denn die ganz entscheidende Regel … die ist schon da! So wichtig, dass sie der erste Paragraph eines langen Gesetzes ist.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;häufung&quot;&gt;Häufung&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Es gibt mit Sicherheit eine Unfallhäufung auf diesen 30 km. Das ist unbestritten. Um das mal in Relation zu setzen. In Hamburg verunglückten 2025 &lt;a href=&quot;https://www.statistik-nord.de/presse-veroeffentlichungen/presseinformationen/dokumentenansicht/verkehrsunfaelle-in-hamburg-2025-67850&quot;&gt;2482 Personen auf einem herkömmlichen Fahrrad, 593 mit einem E-Bike&lt;/a&gt;. Damit gehen 0,85 % aller Unfälle, bei denen ein Radfahrer zu Schaden kommt, auf diese Straße am Elbdeich. Das ist auf einer Straße, auf der der Verkehr deutlich weniger stark ist als auf vielen anderen Hamburger Straßen, keine zu übersehende Situation.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein Problem, das sich auf eine Straße, eine Unfallart und eine Besonderheit dieser Strecke eingrenzen lässt, löst man, indem man genau diese Straße, diese Unfallart und diese Besonderheit adressiert. Nicht mit einem allgemeinen Urteil über die gesamte Verkehrsteilnehmergruppe.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;warum-fallen-die-rennradunfälle-so-auf&quot;&gt;Warum fallen die Rennradunfälle so auf?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich vermute, dieses generelle Urteil hat viel damit zu tun, dass diese Unfälle sehr auffallen und das Problem noch mal deutlich größer erscheint. Die Unfälle tauchen immerhin beim NDR auf.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Warum bekommen nun die Rennradfahrer und ihre Unfälle so prominente Aufmerksamkeit? Ein Parkrempler, ein Auffahrunfall entspricht ungefähr einem umfallenden Sack Reis in China. Das ist einfach Mobilitätsnormalität. Es passiert meist nicht viel. Blechschaden. Verletztes Ego. Aber wenn ein Rennrad mit hoher Geschwindigkeit in ein Auto fährt, ist das völlig anders. Es gibt keine Knautschzone. Rennradbekleidung dient mehr der Verhinderung öffentlichen Ärgernisses als dem Schutz des Radfahrers. Ein Aufprall mit 30 km/h in ein geparktes Auto – nichts ist eine Bagatelle in einem solchen Zusammenstoß. Knochenbrüche. Prellungen, manchmal noch weit mehr. Es ist so gut wie immer ein Krankenwagen beteiligt, oft sogar der Rettungshubschrauber, weil die Wege lang sind. In der Innenstadt ist das nächste Krankenhaus nah, ein spektakulärer Helikoptereinsatz ist oft unnötig. Die 3049 anderen Verunglückten fallen bei Weitem nicht so auf.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der in den Vierlanden eingesetzte Rettungshubschrauber ist halt eine Nachricht. Man mag mit böser Zunge auch sagen: „Insbesondere in einer Gegend Hamburgs, in der sonst im Vergleich zur sehr nahen, großen Stadt nicht viel zu passieren scheint … außer vielleicht ein umfallender Sack Salatköpfe“&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;was-wohl-nichts-bringen-wird-&quot;&gt;Was wohl nichts bringen wird …&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich denke zudem, dass Geschwindigkeitslimits hier ebenfalls wenig bringen werden. Mein bisher folgenreichster Fahrradsturz ereignete sich bei um und bei 15 km/h, alleinbeteiligt, durch einen dummen Fahrfehler. Ich habe durch die tiefstehende Sonne einen Laternenmast auf dem Radweg übersehen. Ich habe diesen genügend touchiert, um auf die Straße zu fallen. Ich bin nicht unaufmerksam gefahren, ich hab’s schlicht nicht gesehen. Ich hatte das Glück, dass ich in dem Moment nicht vor ein Auto geflogen bin, das mir nicht mehr hätte ausweichen können. Es ist nicht die Geschwindigkeit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf der anderen Seite: Ein S-Pedelec-Fahrer darf mit seinem Rad 45 km/h fahren. Auf der Straße und mit allem Recht. Ich kenne einige Pendler, für die dadurch Langstreckenradpendeln erst realistisch wird. Wie geht man damit um? Wie behandelt man Motorräder, Mofas, Mopeds, E-Scooter? Praktisch alles, was kein Auto ist. Ein Teil davon ist auf den Gehweg verbannt. Die Frage bleibt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Erlaube ich Motorrädern, Mofas und Mopeds ihre bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit, wo erlaubt, weil sie einen Verbrennermotor haben und wir sie schon seit Ewigkeiten kennen? E-Bikes und E-Scootern vielleicht, weil sie ja auch so irgendwie Motorfahrzeuge sind? Aber muskelbetriebenen Fahrzeugen nicht? Das hält irgendwie nicht stand. Wo ist der Unterschied zwischen einem 25 km/h fahrenden Mofa und einem 25 km/h fahrenden Rennradfahrer? Was ist die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit bei einem muskelbetriebenen Fahrrad, wenn diese doch sehr stark von dem Menschen abhängt, der darauf sitzt?&lt;sup id=&quot;fnref:11&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fn:11&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;21&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Insbesondere, wenn Geschwindigkeit an sich nicht das entscheidende Problem ist?&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;un-nu&quot;&gt;Un nu?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ja, jetzt haben wir das Problem. Was ist aber die Lösung dazu? Ich habe dazu einige Vorschläge und Ideen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin ganz deutlich gegen eine Sperrung. Egal ob für Autos oder Radfahrer. Ich fahre die Strecke sowohl mit dem Auto als auch mit dem Rad sehr gerne.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich finde den Vorschlag mit dem Parkverbot aber ganz gut. Allerdings mit einer wesentlichen Änderung. Vielleicht kann man die Situation aber ein wenig ordnen, ohne beiden Seiten zu viel zu nehmen. Beispielsweise, indem man Parkzonen einrichtet, in denen sich Autofahrer an den Rand stellen dürfen, und 50 Meter vorher Markierungen anbringt und es an anderer Stelle verbietet. Meine Idee wäre jeden Kilometer 5 Parkplätze am Stück. Von der Tatenberger bis zur Geesthachter Schleuse sind es 30 km. Das wären über die gesamte Strecke 150 Parkplätze. An jedem Punkt des Deiches wäre kein Parkplatz mehr als 500 Meter entfernt. Das wären genug Parkplätze, dass selbst bei einem sonstigen Verbot niemand ernsthaft von automobilen Einschränkungen reden kann. Spazieren gehen zu wollen und dann über 500 Meter zu klagen passt nicht zusammen. Mein Hund guckt mich beleidigt an, wenn ich nur 500 Meter mit ihm gehe. Und wenn die Parkplätze punktuell nicht reichen, malt man halt vorne und hinten noch welche dran. Je nach Bedarf. Natürlich muss man das durchsetzen. Aber ich gehe davon aus, dass die Leute, wenn solche Parkplätze markiert sind, diese dann auch nutzen. Niemand möchte einen Radfahrer im Heckfenster haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Für den Radfahrer wäre das ein selbst bei gröbster Unaufmerksamkeit kaum zu übersehender Cluster, der einmal höherer Aufmerksamkeit bedarf. Nicht 5 getrennt voneinander stehende Fahrzeuge, die einzeln und in unregelmäßigen Abständen der Aufmerksamkeit bedürfen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass zumindest das Markieren von Parkzonen geht, sieht man am Oortkatener See … dort gibt es ausgewiesene Parkzonen. Ich finde es selbst als Autofahrer nervig, dass auf der Strecke überall Autos stehen dürfen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als Beispiel für die Markierung kann man die Kaltehofe nehmen. Es gibt dort Schranken vor der Wasserkunst, die verhindern sollen, dass dort Fahrzeuge durchfahren können, die nicht die entsprechende Erlaubnis haben. Ein gutes Stück vorher gibt es eine Markierung „Achtung Schranke“. Auf den Boden gepinselt. Etwas später gibt es noch drei Streifen, die auf einem Rad gut wahrnehmbar sind, und danach gleich noch ein Dreieck. Ihr könnt das auf diesem Bild sehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/kaltehofeschranke_text.jpeg&quot; alt=&quot;Fahrbahnmarkierung „Achtung Schranke“ mit Querstreifen und Dreieck&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin mir sicher, dass diese Aufschrift existiert, weil sich einige Rennradfahrer um diese Schranken gewickelt haben. Ich könnte mir vor diesen Parkzonen eine ähnliche Aufschrift in großen roten Lettern vorstellen: „Achtung! Parkende Autos!“.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und auf der anderen Seite: Ich fahre mittlerweile wie ein Weihnachtsbaum. Blinkendes Licht am Helm, blinkendes Licht am Trikot; ich habe sogar ein Rücklicht, das per Radar 100 bis 150 Meter hinter mich schaut, ob da Autofahrer auf mich zukommen, die mich nicht gesehen haben, und dann auf höchster Leuchtstufe brennt. Ihr habt keine Vorstellung, wie häufig ich deswegen auf Tausenden Kilometern mit dem Rad an den Straßenrand musste. Ich habe akzeptiert, dass es in einer unaufmerksamen Welt mitunter gefährlich werden kann, sich einigermaßen schutzlos fortzubewegen. Auch wenn ich mich über diese Unaufmerksamkeit sehr ärgern kann.&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Dass ich nicht so auf rechten Populistenmist stehe, hat es anscheinend vergessen. … &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:5&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Oooooookay, es ist eigentlich eine kontinuierliche Aneinanderreihung von Straßen, die nach dem Schema „Irgendwas Hauptdeich“ benannt sind. Fährt sich aber wie eine Straße. Ich belasse es daher mal bei „die Straße“. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:5&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:16&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wobei mich Fehmarn immer noch deutlich mehr reizt. Und da kann man auch toll radfahren. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:16&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:20&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Quelle siehe die später im Text verlinkte erste Pressemitteilung. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:20&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:19&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wobei ich die Argumentation im Artikel, parkende Autos würden zur Verkehrssicherheit beitragen, da sie den Verkehr verlangsamen, ein wenig an den Haaren herbeigezogen finde. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:19&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:12&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Da bin ich als Ostfrieslandexilant in Amdorf ganz andere Engstellen gewöhnt. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:12&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:14&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Das Hamburger Stadtgebiet ist ohnehin eine Geschichte voller Merkwürdigkeiten. Aber das gehört hier nicht hin. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:14&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:23&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Die Gegend hat das Mit-Henry-Gassi-Gehen-Seal-of-Approval … &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:23&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:13&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich habe letztes Jahr eine Bekannte kennengelernt, die tatsächlich in den Vierlanden lebt. Während wir uns unterhielten, flog ein Hubschrauber an. Der resignierte Kommentar von ihr war „Das passiert hier häufiger“, und wir spazierten weiter am Deich. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:13&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:24&quot;&gt;
      &lt;p&gt;An dieser Stelle geht die Aufforderung der Polizei, dauerhaft das Augenmerk weiter als 10 Meter zu haben – wie es bei „Kopf hoch“ geäußert wird –, ein wenig an der Fahrrealität vorbei, denn es ist ziemlich essenziell, den Straßenzustand genau im Auge zu behalten. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:24&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:15&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Jahaaa, denkt doch an die Kinder! Aber wehe, irgendwo wird Tempo 30 oder gar eine Spielstraße eingerichtet. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:15&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:6&quot;&gt;
      &lt;p&gt;MAMIL = Middle Aged Man in Lycra. Es gibt keinen entsprechenden Begriff für die weibliche Version. Da ich mir aber sicher bin, dass es das gleiche Phänomen auch unter Frauen gibt, nutze ich dafür einfach mal den Begriff MAWIL. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:6&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:7&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ja, ich bin in meiner extremen Radfahrzeit auch so gefahren …. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:7&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:8&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Man verzeihe mir hier eine zynische Nebenbemerkung: Wenn jemand heute Herrn Ullrich als Vergleich heranzieht, ist das genauso eine Altersverortung und Befassungsindikation wie die Nutzung des Begriffs „Nintendo“ durch meine Mutter bei allem, was entfernt wie eine Spielkonsole aussieht. (Die Generation danach kannte den Unterschied dann schon sehr genau.) &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:8&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:18&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Der Paragraph, der mir verbietet, im Gleichschritt im Verband über Brücken zu marschieren. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:18&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:10&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Herrje, wie oft habe ich mir an solchen Stellen schon Instant Karma in Form einer Zivilstreife gewünscht, wenn ich solche Situationen beobachtet habe. Bei unflätigem Rumpöbeln ist bei mir dann doch eine Grenze erreicht. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:10&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:9&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Die Räder sind extrem gut, aber sie wirken auf mich wie fahrradgewordene SUVs. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:9&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:2&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wobei der arme Säugling nichts dafür kann, wenn er in eine kritische Situation geschoben wird; er ist sozusagen Verkehrsidiot by proxy. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:2&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:4&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Okay, Downhill-Fahrer scheinen das irgendwie in Kauf zu nehmen. Aber naja, die sind irgendwie anders. Das ist irgendwie YOLO auf zwei Rädern. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:4&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:22&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Sturzfreies Vollbremsen will gelernt sein. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:22&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:11&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Und wo man schon dabei ist … müsste man nicht dann auch an die Führerscheinfreiheit für Segelboote ran? Mit denen kann ich auch sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen, aber den SBF brauche ich dafür oft nicht. Die Schadenseintrittswahrscheinlichkeit ist wahrscheinlich geringer, aber wenn mal was passiert, ist der Schaden groß. Warum darf ich ein unlimitiertes Motorrad erst nach mehreren Jahren fahren, ein hochmotorisiertes Motorboot mit 500 PS ist aber gar kein Problem einen Tag nach dem Führerschein? Das alles ist nicht ohne Widersprüche. Aber das führt hier zu weit. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/dastehteinautoaufderstrasse.html#fnref:11&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
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<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
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